Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker.

Ich schrecke auf. Pumpe Milch ab. Klara und Uli schlafen. Ganz fest. Ich stehe auf. Gehe ins Bad. Wasche mich. Dann wecke ich Uli und Klara. Ganz sacht. Heute ist doch Schule, meine liebe Klara. Sie schält sich aus dem Bett. Zu müde zum Sprechen. Uli steht auf. Geht ins Bad.

Zusammen gehen wir in den Gemeinschaftsraum. Der Nachtdienst hat frischen Kaffee gemacht. Für Klara schieben sie Brötchen in den Ofen. Wir gehen zu Josef. Mein Josef. Er schläft noch. Seine Werte sind im Normbereich. Heute spüre ich wieder mehr Kraft. Trotz der Müdigkeit. Wir sollten üben. Üben, uns von der Angst und dem Schreck nicht klein machen zu lassen. Uns nicht zu ducken und zu verstecken vor der Angst.

Die Krisen werden wir nicht verhindern können. Glaube ich. Oder doch? Einatmen und Ausatmen. Die Pflegekräfte haben gerade Übergabe. Ich störe ungern. Mache es aber doch. Sage: Wir wollen Klara in die Schule bringen. Sind am Vormittag nicht im Kinderhospiz. Erst um 13.00 Uhr wieder da. Und dann nicht mehr weg. Heute.

Kein Problem, höre ich. Habt eine gute Zeit, höre ich auch. Danke. Uli hat Klara die Brötchen belegt. Eines darf sie im Auto essen. Das andere ist für die Pause. Wir fahren los. Los in die kleine Stadt. Zur Schule. Schieben uns durch den Verkehr. Kommen gut durch. Setzen Klara am Schultor ab. Emma wartet. Wie verlässlich sie ist. Ihre Freundin Emma. Ich freue mich für Klara.

Dann fahren wir in unsere Wohnung. Ein merkwürdiges Gefühl ist es. Nur wir zwei sind in der Wohnung. Ich pumpe Milch ab. Stelle sie in den Kühlschrank. Sortiere den Kühlschrank aus. So viele Sachen sind abgelaufen. Uli beginnt das Wohnzimmer umzuräumen. Wir sind ganz still. Jeder bei sich und dem was er tut. Uli verschiebt Schränke. Josefs Bett. Regale. Das Sofa. Alles auf Anfang, denke ich. Dann helfe ich Uli. Wir verschieben Regale aus dem Wohnzimmer ins Schlafzimmer.

Alles sieht anders aus. Nur Klaras Zimmer bleibt so. So wie es ist. Klara, unsere Konstante. An ihr orientieren wir uns. Ganz verrückt. Der Anker in der normalen Welt. Ich pumpe Milch ab. Dann holen wir Klara ab. Mittagskind. Hätten wir noch vor einem dreiviertel Jahr gesagt. Als sie im Kindergarten war. Wir fahren los. Los ins Kinderhospiz. Wir kommen gut durch. Nicht viel los um die Mittagszeit an einem Montag. Josef schläft, als wir ankommen. Ganz friedlich.

Alles gut, sagt die Schwester. Das Bad hat er genossen. Die Nahrung gut vertragen. Die Werte sind alle im Normbereich. Die Physiotherapeutin war da. Gut und schön, sage ich. Klara wird von der Geschwisterbetreuung abgeholt. Heute wird gebastelt. Frühlingsdekoration. Dann wollen sie in den Garten. Uli und ich bleiben bei Josef. Um 15.00 Uhr kommt eine Schwester von unserem neuen Pflegedienst. Wir begrüßen sie. Tee oder Kaffee. Tee. Josef wird langsam wach. Uli inhaliert ihn. Saugt ihn ab. Dann nehme ich Josef. Küsse ihn. Halte ihn. Mein Josef.

Die Schwester vom Pflegedienst schaut zu. Will ja lernen. Lernen, wie das mit Josef so ist. Die erste Nachtschicht wird sie am 6.5. bei uns haben. Ich gebe ihr Josef. Damit sie ein Gespür bekommt. Für ihn. Die Schwester vom Kinderhospiz kommt dazu. Wir lassen sie allein. Ungern lasse ich Josef bei ihnen. Weil ich ihn doch heute noch nicht so lange hatte. Weiß, es muss sein. Wir wollen doch nach Hause. Und die Schwester muss doch lernen.

Uli und ich gehen spazieren. Laufen. Durch das Viertel. Reden ein wenig. Laufen. Reden etwas mehr. Und doch ist jeder bei sich. Versunken in den Gedanken. Dann gehen wir zurück. Zurück ins Kinderhospiz. Klara ist im Garten. Sie spielt mit einem Jungen. Sie sieht zufrieden aus. Und müde. Josef finden wir im Snoezelenraum. Zusammen mit der neuen Schwester. Sie hält Josef im Arm. Sagt, ich muss ihn weiter kennenlernen. Euren Josef. Ja, das Kennenlernen braucht seine Zeit.

Dann nehme ich Josef. Damit die Schwester eine Pause hat. Vom Kennenlernen. Zusammen gehen wir zum Abendessen. Josef auf meinem Schoss. Erst. Dann gebe ich ihn doch der Schwester. Zum Milchsondieren. Sie muss es ja lernen. Ich zeige ihr, wie ich es mache. Mit der Milch durch seinen Nasenschlauch. In seinen Magen. Sie schaut mir zu und macht es ähnlich. Alles gut, mein Josef. Alles gut. Die anderen Gäste, Eltern. Schwestern und Pfleger nehme ich nur ganz am Rand wahr. Bin bei Josef und der Schwester. Nach dem Abendessen gehen wir in Josefs Zimmer. Die Schwester inhaliert ihn. Saugt Josef vorsichtig ab. Hält ihn im Arm. Dann nehme ich ihn.

Josef schläft ganz entspannt ein. Ich genieße diesen Moment. Bin ganz bei meinem Josef. Lege ihn in sein Bett. Schalte den Monitor an. Wir verabschieden die Schwester vom Pflegedienst. Bis zum 6.5. dann. Wir gehen ins Elternzimmer. Uli liest Klara vor. Macht ihr das Hörspiel an. Ich pumpe Milch ab. Bringe sie zu Josef. Er schläft. Die Schwester sitzt bei ihm. Ich gehe ins Elternzimmer. Schlafe sofort ein.

Um 3.00 Uhr pumpe ich Milch ab. Bringe sie zu Josef. Er schläft. Ich streichele ihn. Ganz vorsichtig. Die Schwester kommt. Alles gut. Ich gehe ins Bett. Schlafe sofort ein.