461 | Um 6.30 Uhr werde ich wach.

, Zu Hause 2

Um 6.30 Uhr werde ich wach. Der Wecker klingelt. Ich schalte ihn aus. Draußen ist es hell. Das Licht. Der Schule. Uli ist wach. Wir schauen uns an. Dann stehe ich auf. Die Tür klappert. Ich warte. Gehe ins Bad. Wasche mich.

Gehe in die Wohnküche. Setze Wasser auf. Für Tee. Kaffee. Decke den Frühstückstisch. Klara kommt. Kuschelt sich an mich. Ich küsse sie. Auf ihren Kopf. Uli kommt. Ich gehe ins Josefs Zimmer.

Er liegt im Arm des Pflegers. Ist angespannt. Ich nehme ihn. Küsse Josef. Seine Atmung ist angestrengt. Schwer. Der Pfleger sagt, Josef war obstruktiv in der Nacht. Er hat ihn inhaliert. Extra. Cortison gegeben. Das Sekret ist gelb und zäh. Kein Fieber. Er streichelt Josef über seinen Kopf. Sagt, Josef hey. Mach keinen Quatsch.

Ich freue mich darüber. Lache. Der Pfleger räumt auf. Spült die Inhalette aus. Den Absaugbehälter. Wechselt die Spritzen aus. Zieht die Medikamente auf. Zusammen mit Klara geht er los. Ich winke ihnen nach. Bis ich sie nicht mehr sehe. Dann geht Uli los. Fährt ins Büro.

Um 8.00 Uhr klingelt es. Die Schwester. Ich ziehe Josef vorsichtig um. Ganz vorsichtig. Josef ist angespannt. Ich brauche sehr lange. Die Schwester steht bei uns. Beobachtet uns.

Dann gebe ich ihr Josef. Sie inhaliert ihn. Saugt ihn ab. Hält ihn im Arm. Ich mache mir in der Wohnung zu schaffen. Hausarbeit. Die Bäder sind wichtig. Wegen der Hygiene. Wäsche wird gewaschen. Ich bin erschöpft.

Schaue nach Josef. Er liegt in seinem Bett. Schläft. Herzfrequenz 145. Sauerstoffsättigung 95. Frage die Schwester, ob er Fieber hat. Nein, sagt sie. Frage, ob sie klar kommt. Ich müsste nochmal los. Ja, sagt sie. Kein Problem. Ich gehe dann einkaufen.

Immer brauchen wir etwas. Heute ist es das Beikostöl. Windeln. Getreidebrei. Medikamente muss ich auch noch in der Apotheke bestellen. Nach einer Stunde bin ich wieder zu Hause. Die Tür von Josefs Zimmer steht offen. Josef sitzt im Therapiestuhl.

Die Schwester wirkt angestrengt. Ich frage, was los ist. Sie sagt, Josef war plötzlich obstruktiv. Hat keine Luft mehr bekommen. Sie hat ihn abgesaugt. Inhaliert. Jetzt geht es einigermaßen. Es kam einfach aus dem Nichts, sagt sie.

Ich nehme Josef aus dem Therapiestuhl. Küsse ihn. Seine Atmung ist schwer und knistert. Ich bitte die Schwester, die Inhalation vorzubereiten. Ich setze mich auf das Sofa. Inhaliere Josef. Langsam wird es besser. Ich drehe Josef auf seinen Bauch. Lege ihn auf meine Knie. Kuschele ihn ein. Er schlummert langsam ein.

Die Schwester spült die Inhalette aus. So ist es mit Josef, sage ich. Das gehört zu ihm. Ich lege Josef in sein Bett. Herzfrequenz 134. Sauerstoffsättigung 96. Ich gehe aus dem Zimmer. Schließe die Tür. Einatmen und Ausatmen. Mir ist schwindelig.

Um 14.00 Uhr klingelt es. Die Logopädin. Ich freue mich. Josef wird gerade wach. Inhalation. Absaugen. Die Schwester setzt Josef in den Therapiestuhl. Ich küsse Josef. Die Logopädin beginnt. Es ist schön, ihr zuzusehen. Wie sie sich auf Josef einlässt. Ganz hier ist. Nicht schon beim nächsten Termin.

Ich gehe los. In den Hort. Klara abholen. Sie kommt gleich mit. Hüpft und springt. Welch ein Glück. Klara springt und hüpft wieder.

Zu Hause. Josef ist angespannt. Möchte nicht mehr im Therapiestuhl sein. Ich nehme ihn. Seine Atmung zieht. Die Schwester verabschiedet sich. Hat Feierabend. Ich inhaliere Josef. Sauge ihn ab. Gebe ihm Cortison. Bin ganz beschäftigt. Klara ist in ihrem Zimmer.

Es klingelt, die Familienbegleitung. Klara öffnet die Tür. Ich bin froh. Sie ist da. Für Klara. Ich halte Josef. Lege ihn auf meine Knie. Es geht ihm nicht gut. Meinem Josef. Er schlummert ein. Auf meinen Knien. Ich streiche mit meinen Händen seine Rippenbögen entlang. Versuche sein festes Sekret zu lösen. Vermisse die Physiotherapeutin aus der kleinen Stadt.

Um 18.00 Uhr kommt Uli nach Hause. Er sieht erschöpft aus. Josef liegt auf meinen Knien. Neben mir stehen die Inhalette und die Absauge. Tee und Medikamente sind im Beistellwagen. Ich habe mich kaum bewegt. In den letzten zwei Stunden. Weil Josef schlief. Auf meinen Knien.

Die Familienbegleitung verabschiedet sich. Nächste Woche kommt sie wieder. Schön, sage ich. Wir freuen uns immer so. Uli bereitet das Abendbrot vor. Brot gibt es. Ich nehme Josef in den Arm. Inhaliere ihn. Sauge ihn ab. Er hat heute große Probleme mit dem Sekret. Bekommt schwer Luft.

Zusammen schauen wir Kinderfernsehen. Josef wird inhaliert. Abgesaugt. Ich bringe Klara in ihr Bett. Lese ihr vor. Mach das Hörspiel an. Josef ist angespannt. Ich lege ihn auf meine Brust. Wir atmen zusammen. Josef entspannt sich. Ich küsse ihn. Sein Kopf liegt auf meinem Herzen. Spürst du, Josef? Spürst du mein Herz?

Um 21.30 Uhr klingelt es. Die Schwester. Ich lege Josef vorsichtig in sein Bett. Herzfrequenz 137. Sauerstoffsättigung 95. Wir sprechen über den Tag. Gehen ins Bett. Schlafen. Irgendwann.

Veröffentlicht am: 05. 03. 2019

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