Zum Kinostart. Was der wundervolle Dokumentarfilm DER STEIN ZUM LEBEN uns bedeutet.

Wir kommen am Friedhofseingang an. Sind spät dran. Gehen durch das Tor und dann zweimal links. Es ist kalt. Die Sonne scheint. Wir sehen die Steinmetzwerkstatt. Ein brauner Bauwagen. Ein Container. Ein überdachter Außenbereich. Überall stehen, liegen und sitzen Steine.

Michael Spengler hat eine Schutzbrille auf und bearbeitet mit dem Meißel einen von ihnen. In etwas Abstand dazu sehen wir eine Frau hinter einer Kamera. Eine andere Frau hat ein Mikrophon an einer Angel in der Hand. Michael Spengler hat uns gefragt. Behutsam gefragt. Letztens. Ob wir Katinka Zeuner kennenlernen wollen und uns begleiten lassen wollen. Den Prozess. Die Entstehung von Josefs Grabstein. Ja, haben wir gesagt. Warum nicht, haben wir gesagt.

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Katinka Zeuner hat uns entdeckt und winkt. Wir gehen zur Werkstatt. Begrüßen Michael Spengler, die Kamerafrau und die Tonfrau. Wir bekommen Mikrofone zum Anklippen in die Hand und befestigen sie an unseren Jacken. Möglichst unauffällig. Sie sollen unsichtbar sein. Ein paar Worte zum Mikrofontest. Fertig. Dann. Stille.

Wir gehen zu Michael Spengler. Sprechen kurze Sätze. Trauen uns nicht. Viel zu sagen. Erst.

Josef Stein liegt auf zwei hölzernen Böcken. Wir können deutlich sehen, wie er sich verändert hat. Der Stein. Die kreisrunden Wellen sind glatter geworden, es sind noch Arbeitsspuren zu sehen. Es sieht so aus als ,würde sich eine Welle in den Stein eingraben.

Wir haben viel darüber gesprochen. Vorher. Nun sehen wir es. Josefs Atmen, sein rauschender Atem.

Wir sind bewegt. Berühren den Stein immer wieder um zu begreifen. Da ist die Oberfläche rauh, und da sind glatte Stellen. Jetzt nehmen wir weder Kamera oder die Tonfrau wahr. Wir sehen sie nicht. Sind ganz bei uns. Im Zwiegespräch mit Josefs Stein. An einem bestimmten Tag wird er auf seinem Grab stehen. Auf Josefs Grab.

Im Augenwinkel nehmen wir die beiden Frauen mit Mikrofon und Kamera wahr. Manchmal bewegen sie sich um uns herum. Wir spüren, sie nehmen sich zurück. Geben uns Raum. Uns und Michael Spengler. Wir reden über die weiteren Arbeitsschritte. Er erklärt. Erläutert. Wir denken nach, tauschen uns aus. Josefs Name und seine Lebensdaten sollen vergoldet werden. Die Kamera wird ausgemacht, die Mikrofone werden abgenommen, wir sprechen kurz und verabschieden uns.

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Später. Jahre später sehen wir den Film auf einer großen Leinwand. Sehen Michael Spengler. Josefs Stein. Uns. Wir lernen zwei weitere Familien kennen. Wir sind berührt. Weinen. Lachen. Sind dankbar. Für die Aufnahmen.

Die Bilder zeigen uns. Ganz verletzlich. Und doch zeigen sie nur Ausschnitte. Einen winzigen Ausschnitt. Aus unserem Leben. Aus der Zeit der Entstehung von Josefs Grabstein.

Dabei wollen wir es belassen. Unsere Geschichte in winzigen Ausschnitten als ein Teil eines Filmes. Es ist nicht unsere Trauerarbeit. Es ist vieles nicht, was dem Film als Ganzem zugeschrieben wird. Es sind Bilder und Worte, die entstanden sind. In der Beobachtung eines einzigartigen Dialoges zwischen Michael Spengler und uns.

Der Dokumentarfilm DER STEIN ZUM LEBEN läuft ab dem 23.5.2019 deutschlandweit in den Kinos.

Weitere Details und Trailer:

https://www.dersteinzumleben-film.de/

http://www.realfictionfilme.de/filme/der-stein-zum-leben/index.php

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