Spuren in unserem Blog: Pflegenotstand

Die Spurensuche ist ein neuer experimenteller Zugang zu den Blogtexten. Wir schauen uns die schon veröffentlichten Berichte noch einmal an und verdichten größere Zusammenhänge mit Sammlungen von Zitaten und den Links zu den Berichten. Es ist der erste Versuch eines Längstschnittes.

Der Pflegenotstand hat tiefe Spuren in den Berichten hinterlassen. Er ist ein Aspekt in dem hochkomplizierten Alltag von Familien mit schwerstkranken Kindern.

Pflegenotstand bedeutet Fachkräftemangel bei - auf Grund des medizinischen Fortschritts - wachsender Zahl von Familien, die ihre kranken Kinder zu Hause betreuen. In der Praxis bedeutet dies keinerlei Flexibilität in der Dienstplanung der Pflegedienste, Dienstausfälle und kein Ersatz, wenn eine Pflegekraft kankheitsbedingt ausfällt oder wenn es mit der Familie zwischenmenschlich nicht passt. In vielen Fällen müssen Pflegedienste grundsätzlich die Versorgungsanfragen wegen Personalmangel ablehnen, und verstärkt werden auch nicht ausreichend qualifizierte Fachkräfte eingestellt. Der Pflegenotstand hat sich in den vergangenen Jahren massiv verschärft.

Wir haben Hochachtung vor allen Fachkräften und deren Leistung. Wir möchten die Auswirkungen des Pflegenotstandes auf die Familien aufzeigen. Mit adäquater Qualifikation, besseren Rahmenbedingungen und weniger Druck auf Pflegekräfte und Pflegedienstleitungen hätten die beschriebenen Konflikte mit Sicherheit viel schneller angesprochen werden können und/oder wären gar nicht erst entstanden.

Der Pflegenotstand verstellt den Blick auf die wirklich wichtigen Themen, die Familien mit schwerstkranken Kindern haben: Wie soll es zu Hause alles funktionieren? Wie halten wir diese Situation als Familie überhaupt durch? Woher sollen wir die Kraft für alles nehmen? Diese Themen werden zwangsläufig immer unsichtbarer im Angesicht einer existentiellen tagtäglichen Frage, ob nun heute der Nachtdienst kommt oder die Eltern - egal ob müde oder nicht - wachbleiben müssen.

Josef wurde von verschiedenen ambulanten Kinderintensivpflegediensten bis zu 18 Stunden am Tag versorgt, zunächst in unserer Wohnung am Rand der Großstadt. Die drastischen Folgen und verstörenden Begleiterscheinungen des Pflegenotstandes, die für uns seit Beginn der Pflege in unserer Wohnung im Januar 2014 sofort schmerzhaft spürbar waren, möchten wir mit dieser Zitat- und Linksammlung aufzeigen (Kommentare dazu sind fettgedruckt).

Erster Pflegedienst

Falsche Versprechungen

Die Schwester kommt zu uns und bringt die Pflegedienstleitung mit. Wir erzählen von Josef. Vieles hat sie schon von der Elternberatung erfahren. Dann fragen wir: Wieviel Pflegekräfte werden zu uns kommen? Ihr Team wird aus ca. 6 bis 7 Pflegekräften bestehen. Sollten sie mit Jemanden nicht zurechtkommen, sagen sie Bescheid. Wir besprechen die Betreuungszeiten und vereinbaren: der Nachtdienst soll von 21.00 Uhr bis 7.00 Uhr da sein. Der Tagdienst von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Die Pflegekräfte brauchen sonst nichts weiter. Eine Sitzmöglichkeit. Und auf Toilette müssen sie gehen dürfen. Kein Problem. Zum Glück haben wir eine Gästetoilette.
GHOST_URL/der-7-1-2014/

Anne arbeitet 10 Pflegekräfte allein ein.

Um 21.00 Uhr klingelt es, Schwester S. ist da. Sie duzt uns. Wir siezen konsequent und sie duzt uns konsequent. Sie ist sehr nett. Trotzdem. Wir erzählen ihr von Josef. Wir erzählen was er braucht.
GHOST_URL/der-14-1-2014/

Kurz vor 10.00 Uhr klingelt es. Eine junge Krankenschwester steht vor der Tür. Guten Morgen, sagt sie. Guten Morgen, kommen sie rein. Dieses Mal bleiben wir beim Sie. Wir zeigen ihr unsere Wohnung. Erzählen von Josef. Sie hat kaum Fragen. Nur nach der Akte und den Verordnungen. Sie liest sich akribisch den Entlassungsbericht der Neonatologie durch.
GHOST_URL/der-15-1-2014/

Um 10.00 Uhr klingelt es. Ein Pfleger kommt. Wir erzählen über Josef. Sympathisch ist, dass er sich Josef zuerst anschaut. Das tut gut.
GHOST_URL/der-17-1-2014/

Wir kennen die Schwester nicht. Erklären und überlassen ihr Josef für diese Nacht. Ich bin so müde und kann nicht schlafen. Uli, schaffen wir das?
GHOST_URL/der-17-1-2014/

Um 21.00 Uhr klingelt es. Eine neue Krankenschwester kommt. Wir erzählen ihr von Josef. Auf was sie achten solle. Übergeben ihr Josef zum Kennenlernen in die Nacht.
GHOST_URL/der-22-1-2014/

Um 21.00 Uhr klingelt es. Eine neue Krankenschwester steht vor der Tür. Sie ist älter. Sie entschuldigt sich, dass sie Josef nicht kennt. Sie fragt, wie sie sich verhalten soll. In unserer Wohnung. Fragt, fragt und fragt. Gut fühlt sich das an. Liebevoll begrüßt sie Josef. Schaut ihn an. Nimmt ihn in den Arm und wiegt ihn. Sie wünscht uns eine gute Nacht. Die wünschen wir auch.
GHOST_URL/der-23-1-2014/

Um 21.00 Uhr klingelt es. Ein neuer Pfleger steht vor der Tür. Er ist groß. Der große Pfleger und der kleine Josef. Ich schmunzele. Wir erzählen von und über Josef. Überlassen ihm Josef für diese Nacht.
GHOST_URL/der-24-1-2014/

20.30 Uhr klingelt es. Eine junge Schwester steht vor der Tür. Wir erzählen von Josef. Sagen ihr, was zu beachten ist. Sie wirkt sehr gewissenhaft. Ich sage ihr, sie möge sich doch die Akte anschauen und sich in Josefs Zimmer orientieren. Solange werde ich noch mit Josef kuscheln. Gegen 21.30 Uhr übergebe ich ihr Josef für diese Nacht.
GHOST_URL/der-26-1-2014/

Um 21.00 Uhr klingelt es. Eine neue Schwester ist da. Sie wirkt auf mich sehr taff. Wir erzählen von Josef. Über Josef. Auf was sie achten möge. Sie meint, sie arbeite schon sehr lange im Pflegedienst und sei sehr erfahren.
GHOST_URL/der-1-2-2014/

10.00 Uhr klingelt es. Die Tagdienstschwester steht vor der Tür. Ich kenne sie nicht. Sie kennt Josef nicht. Kennt uns nicht. Sie kennt aber die Nachtdienstschwester, die immer noch bei uns ist. Sie tauschen sich aus.
GHOST_URL/der-3-2-2014/

Die zwei Einarbeitungen durch den Pflegedienst

Um 18.00 Uhr verabschieden wir die Pfleger. Ich übernehme Josef. Morgen wird der eingearbeitete Pfleger allein kommen. Gut sage ich, gut.
GHOST_URL/der-12-2-2014/

Mir fällt wieder ein. Heute wird eine neue Pflegekraft eingearbeitet. Es ist ein weiterer fremder Mensch in unserer Wohnung. Bei unserem Josef.

Gehe ins Wohnzimmer. Der Pfleger und eine junge Schwester sitzen auf dem Sofa. Josef liegt im Arm der jungen Schwester.
GHOST_URL/der-4-3-2014/

Eine Pflegekraft kann keine Nasensonde legen.

Josef wird [von der Kinderärztin] gewogen. Dabei wird die Nasensonde aus Versehen gezogen. Wir fragen den Pfleger: Können sie bitte eine neue legen? Er kann das nicht. Aber die Pflegedienstleitung sagt doch, sie können das. Nein, sagt er. Nein, das kann er nicht. Zum Glück kann unsere Kinderärztin eine Nasensonde legen. Was machen wir, wenn keiner da ist, der das kann? Josef kann doch nicht schlucken. Ins Krankenhaus fahren? Wahrscheinlich.
GHOST_URL/der-17-1-2014/

Wir berichten, dass der Pfleger keine Nasensonde legen konnte. Was nun? Dann soll sie angerufen werden. Sie komme dann. Aha. Gut.
GHOST_URL/der-18-1-2014/

Dienstausfälle, schon in der ersten Woche

Die Pflegedienstleitung fragt ob es in Ordnung ist, wenn morgen kein Tagdienst kommt? Sie machen es so gut sagt sie. Wir sagen, gut. Dann probieren wir es mal allein.
GHOST_URL/der-18-1-2014/

Seien sie froh, dass überhaupt jemand kommt.

Um 21.00 Uhr klingelt es. Eine andere Schwester steht vor der Tür als angekündigt. Sie sei die Vertretung. Die eingeplante Schwester ist krank geworden. Hat uns denn niemand Bescheid gegeben? Nein. Wir übergeben der Schwester unseren Josef zur Nacht.
GHOST_URL/der-20-1-2014/

Ich rufe beim Pflegedienst an und frage nach, warum eine andere Schwester kam. Warum wurden wir nicht informiert? Die Antwort ist sehr klar: Seien sie froh, dass überhaupt jemand kommt. Einatmen und Ausatmen. Aber es ist doch unser Zuhause. Wir möchten doch wissen, wer kommt. Es sei nicht ihre Aufgabe uns anzurufen, sagt sie.
GHOST_URL/der-21-1-2014/

Wir fühlen uns mit einem Pfleger nicht gut und bitten um Ersatz.

Uli und ich reden währenddessen. Wir sind allein. Noch kann uns niemand hören. Mit dem Pfleger kommen wir nicht zurecht. Fühlen uns unwohl mit ihm.

Uli nimmt Josef auf den Arm und ich rufe die Pflegedienstleitung an. Ich erzähle von unserem Anliegen. Sie meint, der Pfleger könne kürzer kommen. Morgen vielleicht ab 14.00 Uhr. Sonst müsse sie mit den anderen Pflegekräften planen. Das gehe nicht so schnell. Könne der Pfleger vielleicht in den Nachtdienst kommen? Ja, wenn es nicht anders geht.
GHOST_URL/der-22-1-2014/

Es geht nicht gut mit dem Pfleger. Es passt nicht. Was sollen wir tun? Den Pflegedienst anrufen. Ja. Das mache ich. Ich rufe den die Pflegedienstleitung an und sage, es geht nicht gut mit dem Pfleger. Zwischenmenschlich geht es nicht. Fachlich können wir nichts sagen. Zwischenmenschlich geht es nicht. Könnte er ausgetauscht werden. Das wäre doch auch für den Pfleger besser. Oder?
Die Pflegedienstleitung sagt, das geht nicht. Sie haben keinen anderen, der zu uns fahren würde. Wir wohnen ja schließlich außerhalb von Berlin. Aber sie könnte ihn im Februar öfter im Nachtdienst einsetzen, ob das gehe? Ja. Nachtdienst müsste vielleicht gehen. Erstmal. Gut.
GHOST_URL/der-24-1-2014/

Um 21.00 Uhr klingelt es. Eine Schwester steht vor der Tür. Wir hatten mit dem Pfleger gerechnet. Er ist krank, meint sie. Hat uns denn niemand Bescheid gegeben? Nein. Die Schwester war letztes Wochenende schon bei uns. Wir müssen nicht mehr so viel erklären.
GHOST_URL/der-25-1-2014/

Ein festes Team? Nicht für Josef.

Auf dem Weg zum Hort sprechen Uli und ich. Über die Situation mit den Pflegekräften. Wir haben offensichtlich kein festes Team. Wissen nicht, welche Pflegekraft kommt. Werden die Pflegekräfte nur als Springer eingesetzt, weil sie davon ausgehen, dass Josef bald sterben wird? Ich rufe dann doch bei der Pflegedienstleitung an. Ich frage, warum werden so viele Pflegekräfte bei uns eingesetzt? Warum haben wir kein Team? Sie meint, es ist gut, wenn viele Pflegekräfte Josef kennen, so können sie bei Bedarf eingesetzt werden.
Das Team wird sich entwickeln. Vielleicht in 2 bis 3 Monaten. Gut. Ich verstehe. In 2 bis 3 Monaten. Es wäre gut, hätten sie es uns gleich gesagt. Dann hätten wir uns darauf einstellen können. Seien sie froh, dass überhaupt Pflegekräfte zu ihnen kommen, höre ich die Pflegedienstleitung sagen.
GHOST_URL/der-30-1-2014/

Krankenkasse: der Pflegedienst will mehr Geld, wollen wir wechseln? Müssen wir wechseln?

Ich rufe den Krankenkassenmann an. Ich erzähle ihm, dass es so schwierig ist. Uns ein festes Team versprochen wurde. Wir mit einem Pfleger nicht zurechtkommen. Der Pfleger trotzdem bei uns eingesetzt wird. Wir manchmal nicht wissen, wer kommt und ob überhaupt jemand kommt. Er meint, sie können auch wechseln. Ich antworte, ich weiß es nicht. Wie ist es mit der Übergabe? Haben wir dann zwischendurch keinen Pflegedienst? Nein, sagt er. Sie werden nicht allein gelassen. Außerdem können wir uns den neuen Pflegedienst ja erst einmal anschauen. Wir müssen nicht wechseln. Es ist unsere Entscheidung.

Der Krankenkassenmann findet den jetzigen Pflegedienst schwierig. Der Pflegedienst droht, Josef nicht mehr zu betreuen, wenn die Krankenkasse nicht wesentlich mehr Geld bezahlt. Es gibt aber festgelegte Vergütungssätze. Der Pflegedienst konnte bisher nicht begründen, warum sie 5 Euro mehr pro Stunde haben wollen. Bisher begründen sie es mit dem Fahrtweg. Ach so, sage ich. Ich werde mit meinem Mann sprechen. Ja, sagt der Krankenkassenmann. Machen sie das. Ganz in Ruhe. Gut.

Wir werden den Pflegedienst wechseln. Wir schauen uns den anderen Pflegedienst einfach an. Vorher werden wir mit der Schwester von der Nachsorge sprechen. Ja. So machen wir es.
GHOST_URL/der-7-2-2014/

Unsere Bitten werden nicht gehört.

Im Briefkasten ist ein Brief vom Pflegedienst mit dem Dienstplan für den nächsten Monat. Ich sehe, dass der Pfleger mit dem wir nicht gut zurechtkommen sehr oft eingesetzt wird. 10 Nachtdienste und 6 Tagdienste.

Als wir draußen sind, ruft Uli bei der Pflegdienstleitung an. Fragt, warum wird dieser Pfleger so oft eingesetzt? Warum? Wir halten den Pfleger nicht aus. Die Antwort: Seien sie froh, dass überhaupt jemand zu ihnen kommt. Seien sie froh, dass er es macht. Uli ist verzweifelt und wütend. Er schreit förmlich: Das ist demütigend. So demütigend. Wir wissen nicht wie lange unser Sohn lebt. Verstehen sie das? Dann ist bei uns ein Pfleger mit dem wir nicht zurechtkommen. Die Pflegedienstleitung sagt, sie überlege was sie tun kann. Versprechen kann sie nichts.
GHOST_URL/der-12-2-2014/

Um 21.30 Uhr klingelt es. Die Schwester steht vor der Tür. Sollte nicht der Pfleger kommen? Er ist krank, sagt sie. Hat uns denn niemand Bescheid gesagt? Nein. Sie sind ja da, sage ich. Wir übergeben ihr den schlafenden Josef zur Nacht.
GHOST_URL/der-15-2-2014/

Wir sprechen mit der PDL. Sagen, dass es mit dem einen Pfleger nicht geht. Es geht nicht um mangelnde Fachlichkeit, sondern um das Zwischenmenschliche. Sie haben doch gesagt, wir dürfen ihnen das sagen. Ja, sagt sie. Aber wir haben nicht so viele Pflegekräfte die den weiten Weg von Berlin in die angrenzende Kleinstadt auf sich nehmen würden. Uli antwortet, dafür waren aber schon ganz schön viele Pflegekräfte bei uns. Die PDL sagt, es würde sie jedes Mal ziemlich viel Überredungskunst kosten, die Pflegekräfte zu uns zu schicken.
GHOST_URL/der-22-2-2014/

Der Pflegedienst erfährt von unseren Wechselplänen.

Ich rufe die Pflegedienstleitung an. Sie sagt, die andere PDL möchte wieder in der Pflege arbeiten deshalb macht sie nun die Leitung. Sie wiederholt: Ihr ist zu Ohren gekommen, dass wir wechseln wollen. Ja, sage ich. Warum, fragt sie? Ich erkläre: Uns wurde doch ein Team versprochen. Wir haben aber keines. Uns wird nicht Bescheid gegeben, wenn eine andere Pflegekraft kommt. Dann fühlen wir uns mit dem einem Pfleger so unwohl und er wird weiter Vollzeit eingesetzt. Wir ertragen es nicht. Halten es nicht aus.

Die Pflegedienstleitung klingt wütend und wirft mir vor, dass wir unfair sind. Dass wir froh sein können, dass überhaupt jemand kommt. Hätte sie gewusst das wir so undankbar sind, dann hätten sie lieber anderen Eltern geholfen. Eltern die dankbar sind und auf einen Pflegedienst warten. Ich sage ihr, ich vertraue ihnen nicht mehr. So vieles was wir abgesprochen haben ist nicht eingetreten. Wie soll das gehen? Wir fühlen uns ihnen ausgeliefert. Das ist nicht gut für uns.
GHOST_URL/der-27-2-2014/

22.00 Uhr. Es klingelt. Die Schwester. Ich frage sie, ob sie etwa von der PDL gehört hat. Sie sagt, ja. Sie hat eine Mail bekommen. In der stand, dass wir den Pflegekräften nicht vertrauen. Ich habe das Gefühl zu platzen. Sage. Nein. Das stimmt nicht. Wir vertrauen der Leitung des Pflegedienstes nicht. Ihrem Arbeitgeber.
GHOST_URL/der-28-2-2014/

Nachtdienste fallen aus.

Um 21.50 Uhr klingelt das Telefon. Ich gehe ran. Hier ist die stellvertretende Pflegedienstleitung. Es tut uns leid, aber der Nachtdienst kommt heute nicht.

Die Schwester hat gerade angerufen. Sie hat sich den Fuß umgeknickt und kann nicht zu ihnen. Heute kommt also keiner. Ist das für sie in Ordnung? fragt sie. Mir rutscht ein Nein raus. Nein, es ist nicht in Ordnung für uns. Kann denn keine Vertretung kommen? frage ich.
Nein, antwortet sie. Die Kollegen müssten ja vorschlafen. So kurzfristig gibt es keine Vertretung.
GHOST_URL/der-2-3-2014/

Die Pflegedienstleitung ist am Apparat. Es tut ihr leid, es kann heute niemand zum Nachtdienst kommen. Die Schwester ist krank. Bis auf Weiteres.

Die Pflegedienstleitung ist wütend auf uns. Findet, wir haben uns nicht richtig verhalten. Wir sind undankbar. Sie bietet aber an: wir können Josef für eine Nacht in eine Pflegewohngemeinschaft bringen. Zur Entlastungspflege. Nein. Das wollen wir nicht. Wir wollen Josef nicht wegbringen.
GHOST_URL/der-3-3-2014/

Der Pflegedienst kündigt uns.

"Im Hinblick auf die in der jüngsten Vergangenheit geführten Telefonate, in denen Sie uns mitteilten, dass Sie das Vertrauen in einer Zusammenarbeit mit unserem Unternehmen verloren haben, möchten wir Ihnen mitteilen, dass wir den Pflegevertrag mit ihrem Sohn zum Ablauf des Monats März 2014 kündigen."
GHOST_URL/der-5-3-2014/

Die Pflegedienstleitung. Sie teilt mit. Sie teilt uns mit: die Schwester von letzter Woche ist nun länger krank. Sie muss nun umplanen. Leider. Heute kommt eine Schwester. Für Morgen hat sie keinen Ersatz. Für den Tag. Uli sagt, wichtig sind die Nächte. Zur Nacht brauchen wir unbedingt jemanden. Bitte. Ja, sie wird schauen, sagt die Pflegedienstleitung. Versprechen kann sie uns nichts. Sie wird sich melden
GHOST_URL/der-10-3-2014/

Eine Rechnung vom Pflegedienst.

"...leider muss ich Ihnen mitteilen, dass wir bisher keine Einigung mit ihrer Krankenkasse bezüglich der Stundensatzvereinbarung für die behandlungspflegerische Versorgung ihres Kindes finden konnten. Den von uns geforderten Stundensatz...weist die Krankenkasse grundsätzlich zurück.
Seit dem 14.1.2014 sind somit Kosten in Höhe von 3677,90 Euro aufgelaufen. Daher möchten wir sie bitten...sich mit ihrer Krankenkasse in Verbindung zu setzen und die Notwendigkeit der Kostenübernahme darzulegen, andernfalls ginge der Differenzbetrag zu ihren Kosten. Vielen Dank für ihr Verständnis..."
GHOST_URL/der-12-3-2014/

Nach der Kündigung: noch mehr Dienstausfälle.

Das Telefon klingelt. Die Pflegedienstleitung. Sie möchte mir mitteilen: Nächste Woche Freitag, Samstag und Sonntag hat sie keinen Tagdienst für uns. Auch nicht am 26., 27., 29. und 30.3. Dafür kann sie die Nächte abdecken. Ist das in Ordnung? Was soll ich anderes sagen außer, ja?
GHOST_URL/der-14-3-2014/

Wie sollen die Tage ohne Pflegedienst gehen? Allein ist es für mich kaum möglich. Alle 2 Stunden Milch abpumpen, Josef inhalieren, Milch geben, Absaugen. Klara vom Hort abholen. Uli sagt, er fragt ob er die Tage an denen kein Pflegedienst kommt von zu Hause arbeiten darf. Das ist gut, sage ich.
GHOST_URL/der-17-3-2014/

Zweiter Pflegedienst

In diesem Fall: keine falschen Versprechungen

Es klingelt pünktlich um 8.00 Uhr. Zwei Frauen vom Pflegedienst sind da. Die Pflegedienstleitung (schwanger) und die stellvertretende Pflegedienstleitung. Guten Morgen. Wir setzen uns in Josefs Bereich. Erzählen etwas von Josef. Dann stellen wir unsere Fragen: Wie es mit einem Pflegeteam? Zurzeit sind so viele Menschen bei uns. Antwort: Es werden extra Pflegekräfte für Josef gesucht werden. Die werden sich nach der ersten Vorstellung bei der PDL bei uns vorstellen. Wir als Eltern können dann entscheiden.

Wahrscheinlich dauert das 2 bis 3 Monate. Frage: Wie ist es bei einem Ausfall der Pflegekraft? Antwort: Es gibt Springer. Es wird versucht werden, die Dienste abzudecken.
GHOST_URL/der-17-2-2014/

Anne arbeitet wieder beinahe alle Pflegekräfte ein.

Ein neuer Versuch, mein Josef, denke ich. Wir haben Energie und Stärke eingefangen, mein Josef. Wir haben sie gespeichert. Die Pflegedienstleitung ist freundlich. Wirkt ehrlich und authentisch. Die Schwester wirkt sehr aufgeregt. Ich finde es sympathisch. Die Aufregung gehört ja dazu. Uns geht es nicht anders.

Ich inhaliere Josef. Erkläre der Schwester. Sie hört zu.

Um 22.00 Uhr klingelt es. Die Nachtschwester. Sie wurde im Kinderhospiz eingearbeitet.
GHOST_URL/der-6-5-2014/

Ich erzähle ihr. Von Josef. Wie sie ihn halten soll. Wie er ist. Was zu beachten ist.
GHOST_URL/der-9-5-2014/

Eine neue Schwester. Sie ist jung. Freundlich. Witzig auch. Sie ist mir sofort sympathisch. Ich erzähle ihr von Josef. Sie hört zu.
GHOST_URL/der-12-5-2014/

Die Schwester legt Josef in sein Bett. Ganz sanft ist sie. Das ist schön. Ich erzähle ihr. Von Josef. Wie er ist. Unser Josef. Was er zeigt. Bisher. Sie ist aufmerksam. Sehr aufmerksam. Das ist gut. Fühlt sich gut an.
GHOST_URL/der-27-5-2014/

Die neue Schwester. Sie ist jung. Ich zeige ihr alles. Da die Absaugen. Die Inhalette. Der Monitor. Die Medikamente. Der Sauerstoff. Die Katheter. Die Akte. Hier mein Josef.
GHOST_URL/der-2-6-2014/

Kann eine Altenpflegerin Josef versorgen?

Die Pflegedienstleitung meint, sie hat eine Schwester für uns. Allerdings ist sie Altenpflegerin. Sie kann sich ja bei uns vorstellen und wir sollen dann entscheiden. Gut, sage ich. Gut.
GHOST_URL/der-26-6-2014/

Eine Schwester ist dauerhaft krank, kein Ersatz kann geschickt werden. Die Nächte werden aber sichergestellt

Das Telefon klingelt. Die Pflegedienstleitung. Hat mit den anderen Schwestern aus dem Team gesprochen. Die Nächte können abgedeckt werden. Einige Tagdienste werden ausfallen. Leider. Sie werden wieder eine Anzeige schalten. Nach neuen Schwestern für uns suchen. Bisher haben sich wenige Schwestern beworben. Pflegenotstand. Leider, sagt sie. Leider. Danke, sage ich. Wenigstens die Nächte. Danke.
GHOST_URL/der-17-7-2014/

Eine Pflegekraft traut sich nicht, Josef abzusaugen. Verschweigt es aber.

Um 2.15 Uhr werde ich wach. Ich höre Josef ganz laut atmen. Japsen. Nach Luft ringen. Ich bin hellwach. Wecke Uli. Springe aus dem Bett. Eile ins Wohnzimmer. Die Schwester hält Josef im Arm. Josef bekommt kaum Luft. Ich nehme ihr Josef ab. Uli kommt zu uns. Fragt die Schwester, ob sie Josef tief abgesaugt hat.

Nein, sagt sie. Das mache ich nur, wenn noch jemand dabei ist. Allein traue ich es mir nicht zu. Das Absaugen mit Katheter durch die Nase.

Uli spricht mit der Schwester. Spricht über das Absaugen. Wie soll das denn gehen? Wenn sie es nicht kann? Wie kann sie dann auf Josef aufpassen. Hofft sie immer, es wird schon nichts passieren? In ständiger Angst vor jeder Schicht bei Josef? Sie sagt, sie wird es üben. Mit uns. Gut, sage ich. Üben. An Josef üben.
GHOST_URL/der-29-5-2014/

Ich rufe die Pflegedienstleitung an. Berichte von der Nacht. Die Pflegedienstleitung ist verständnisvoll. Sagt, wir können die Schwester in Zukunft am Tag einsetzen. Wenn jemand von Ihnen da ist. Wir haben sonst kein Personal. Wir suchen ja, sagt sie auch. Wäre uns damit geholfen? Ja, sage ich. Und die nächsten Nächte? Sie sagt, sie hat keinen anderen. So kurzfristig. Ob es vielleicht gehen könnte. Ich sage ja. Wir probieren es.
GHOST_URL/der-30-5-2014/

Schmerzmittel werden ohne Indikation gegeben.

Sie sagt, um 4.00 Uhr war Josef etwas unruhig. Sie hat ihm dann ein Ben-u-ron gegeben. Ich frage nach der Temperatur. 36,8, sagt sie. Ich bin verwundert. In der Anordnung steht, er soll ein Ben-u-ron bei einer Temperatur von 38,5 bekommen. Sie sagt, sie denkt, er hatte Schmerzen.
GHOST_URL/der-18-5-2014/

Ich frage nach der Nacht. Sie sagt, er war etwas unruhig. Um 2.00 Uhr hat sie ihm ein Ben-u-ron gegeben. Ich frage nach der Temperatur. Sie sagt, 37,2. Ah, sage ich. Frage, woran sie merkt, dass er Schmerzen hat. Sie merkt es halt, sagt sie.
GHOST_URL/der-19-5-2014/

Müssen wir Übergriffe dulden? Die Streifen an Josefs Kinn.

Ich entdecke roten Stellen an seinem Kinn. Frage die Schwester, was das ist. Sie sagt, sie weiß es nicht. Vielleicht hat er falsch gelegen. Mh, sage ich.
GHOST_URL/der-15-6-2014/

Josef wird wach. Ich nehme ihn aus seinem Bett. Sehe an seinem Kinn rote Streifen. Frage, was das ist. Die Schwester sagt, sie weiß es nicht. Vielleicht hat Josef falsch gelegen.

Ich nehme Josef. Schaue mir sein Kinn genau an. Es sieht aus, als hätte die Schwester Pickelchen ausgedrückt. Ich wage es kaum zu denken. Es sieht so aus. Uli, kann das sein? An meinem Josef. Er kann sich nicht wehren. Nicht schreien. Ist ihr ausgeliefert.
GHOST_URL/der-19-6-2014/

Ich nehme ihn. Meinen Josef. Sehe rote Streifen am Kinn. Frage, was ist das? Sie sagt, sie weiß es nicht. Sie denkt, Josef reagiert wahrscheinlich allergisch auf seinen Speichel.
GHOST_URL/der-21-6-2014/

Josef wird wach. Ich nehme ihn vorsichtig aus seinem Bett. Sehe an seinem Kinn rote Streifen. Mein Herz krampft sich zusammen. Die Streifen sehen aus wie Fingernägelabdrücke.
GHOST_URL/der-5-7-2014/

Josef wird wach. Ich nehme ihn aus seinem Bett. Sehe rote Streifen am Kinn. Mir schnürt es alles zu. Habe ich nicht gut genug aufgepasst? Es sind Fingernägelabdrücke.
GHOST_URL/der-7-7-2014/

Ich rufe beim SAPV-Team an. Erzähle von den Übergriffen. Dass wir nicht wissen, was wir tun sollen. Wenn die Schwester nicht mehr kommt, können wir nicht mehr zu Hause bleiben. Müssen woandershin. Wo sollen wir denn hin?

Wir besprechen, die Schwester direkt anzusprechen. Ihr zu sagen, sollte es noch einmal passieren, dann informieren wir die Pflegedienstleitung. Ein schlechter Kompromiss. Ich möchte sie am liebsten nie wiedersehen. Doch. Wir haben keine Wahl. Haben keine Wahl.
GHOST_URL/der-7-7-2014/

Wir sind mutig. Sagen, wir haben beobachtet. Pickel wurden ausgedrückt. Von dir. Wir haben deutlich die Streifen gesehen. Sollte es noch einmal vorkommen. Informieren wir die Pflegedienstleitung.
GHOST_URL/der-8-7-2014/