Der Wecker klingelt. 6.30 Uhr.

Ich stehe auf. Gehe ins Bad. Wasche mich. Gehe ins Wohnzimmer. Die Schwester ist gerade fertig. Mit der Inhalation. Sie sitzt bei Josef. Er schläft. Herzfrequenz 137. Sauerstoffsättigung 94.

Ungewöhnlich, denke ich. Die Herzfrequenz ist hoch. Für einen schlafenden Josef. Ich frage nach der Nacht. Keine Besonderheiten, sagt sie. Zweimal hat sie Josef tief abgesaugt. Ich frage nach der Temperatur. Er fühlt sich nicht warm an, sagt sie.

Kannst du bitte seine Temperatur messen, frage ich. Ja, sagt sie. Ich gehe in die Küche. Einatmen und Ausatmen. Ich setze Wasser auf. Für Tee und Kaffee. Einatmen und Ausatmen. Einatmen und Ausatmen.

Uli ist aufgestanden. Steht neben mir. In der Küche. Legt seinen Arm um mich. Ich spüre ihn kaum. Seinen Arm. Zu angespannt bin ich. Zu angespannt.

Wir gehen ins Wohnzimmer. 38,4 sagt die Schwester. Er fühlt sich aber gar nicht so heiß an, sagt sie auch. Josef wird wach. Herzfrequenz 150. Sauerstoffsättigung 98. Ich nehme ihn aus seinem Bett. Küsse ihn. Die Schwester spült die Inhalette aus. Fragt, was sie tun kann. Noch.

Ibuprofen aufziehen, sage ich. Sonst nichts. Wir rufen das SAPV-Team nachher an. Mach Feierabend. Du bist müde. Schlaf gut, sage ich. Wir kommen klar. Gut, sagt sie. Verabschiedet sich.

Josef liegt in meinem Arm. Er zittert. Das Fieber steigt. Ich lege ihn auf meine Knie. Decke ihn ein wenig zu. Dann schläft er ein. Ich lege Josef wieder vorsichtig in sein Bett.

Uli ruft das SAPV-Team an. Bis Mittag sollen wir beobachten. Wadenwickel machen. Die Nahrung halbieren. Mehr Tee. Dann noch einmal anrufen. Gut, sagt Uli. Gut. Aus dem Schlafzimmer höre ich den Fernseher. Klara schaut fern. Bibi und Tina. Auf Amadeus und Sabrina.

Ich gehe zu Klara. Setze mich zu ihr. Frage, wie sie geschlafen hat. Gut, sagt sie. Gut. Sie ist ganz vereinnahmt vom Fernseher. Ich küsse ihren Kopf. Bringe ihr einen Kakao. Sonntagskakao. Josef schläft. Schlaf, mein Josef. Schlaf.

Schlaf dich gesund. Gesund. Was bedeutet das wohl? Gesund? Für dich, lieber Josef? Für uns? Was bedeutet das für uns? Gesund? Uli deckt den Frühstückstisch. Schiebt Brötchen in den Ofen. Klara steht auf. Wir frühstücken.

Josef schläft im Wohnzimmer. Die Türen sind offen. Der Monitor ist an. Dann wird er wach. Der Josef. Ich springe auf. Gehe zu ihm. Herzfrequenz 155. Sauerstoffsättigung 93. Ich schalte den Monitor aus. Nehme ihn aus seinem Bett. Küsse ihn. Uli bereitet die Inhalation vor. Ich inhaliere Josef. Sauge ihn ab. Messe seine Temperatur. 38,8.

Uli ruft das SAPV-Team an. Wir kommen, sagt die Schwester. Wir kommen. Uli nimmt Josef. Ich bereite Wadenwickel vor. Wickel sie um seine kleinen Waden. Hoffe, es hilft. Dabei liegt Josef mit seinem Kopf nach unten über Ulis Knie.

Aus Josefs Nase und seinem Mund laufen Tee und Nahrung. Uli saugt ihn ab. Mehrfach. Tief. Josef hat wieder erbrochen. Klara spielt in ihrem Zimmer. Malt. Hört Hörspiele.

Um 14.00 Uhr klingelt es. Das SAPV-Team. Josef ist wach. Herzfrequenz 167. Sauerstoffsättigung 95. Temperatur 39.0. Trotz der Medikamente. Trotz Wadenwickel. Die Ärztin. Die Schwester. Sind ganz ruhig. Bringen Ruhe mit. Sicherheit. Ich habe das Gefühl, mich festhalten zu können.

Die Ärztin untersucht Josef. Sagt, wahrscheinlich ein Magen-Darm-Infekt. Sie hat Medikamente dabei. Fehlende werden bestellt. Josef soll Diät halten. Tee. Medikamente gegen die Übelkeit. Gegen die Schmerzen. Ich halte Josef.

Wir sprechen lange. So lange, bis wir uns wieder sicherer fühlen. Dann verabschieden sie sich. Sagen, rufen sie an. Wenn die Unsicherheit kommt, rufen sie an. Sobald die Angst kommt, rufen sie an. Ja, sagen wir. Einstimmig. Ja.

Klara. Wo ist Klara? Sie malt. Malt in ihrem Zimmer. Hört Hörspiel. Fühlt sich sicher dort.

Zum Abendessen gibt es Brot. Oder Nudeln? Josef bekommt Reisschleim. Eine halbe Portion. Viel Tee. Ganz langsam und vorsichtig lasse ich den Tee durch seinen Bauchschlauch fließen. Ganz langsam und vorsichtig.

Klara geht in die Wanne. Heute ohne ihren Josef. Sie hört dabei ein Hörspiel. Es beruhigt sie. Das Hörspiel hören. Da ist gut, denke ich. Das ist gut.

Josef, mein Josef. Wird inhaliert. Abgesaugt. Bekommt Tee und Medikamente. Wadenwickel. Zusammen schauen wir Kinderfernsehen. Uli misst die Temperatur von Josef. 38,2. Gibt ihm ein Schmerzmittel. Ich bringe Klara in ihr Bett. Lese ihr vor. Mache das Hörspiel an.

Um 21.30 Uhr klingelt es. Die Schwester. Josef ist wach. Ich halte ihn. Bis er einschläft. Um 23.00 Uhr lege ich Josef in sein Bett. Temperatur 37,4. Herzfrequenz 137. Sauerstoffsättigung 94. Wir gehen ins Bett. Schlafen unruhig.