Gleich früh rufe ich in der Klinik an.

Hier die Mama von Josef. Wie geht es ihm? Wie war seine Nacht? Gut war die Nacht. Unverändert. Etwas mehr Sekret hatte er. Geschlafen hat er. Seine Augen waren geschlossen in der Nacht. Gut. Ich komme. In zwei Stunden bin ich da.
Wir frühstücken zu Hause. Dann fahre ich allein in die Klinik. Uli und Klara werden nachkommen. Heute ist es heller. Nicht mehr so düster. Durch die Notaufnahme gehe ich. Die Treppe rauf. Klingeln. durch die Schleuse. Gang runter. Rechts. Meine Sachen schließe ich in den Schrank. Desinfiziere meine Hände. Stelle meine Milch in den Kühlschrank. Dann gehe ich zu Josef. An zwei Inkubatoren vorbei. Guten Morgen, mein Josef. Er ist schon fertig umgezogen. Wir kuscheln. Die Schwester gibt mir Josef. Sie fragt, ob ich Musik hören mag. Ja, gern. Aber bitte keine Weihnachtsmusik. Sie bringt mir einen Rekorder. Josef und ich hören Bach. Das Weihnachtsoratorium. Wir atmen. Josef und ich. Einatmen und Ausatmen. Mir fließen Tränen. Mich schmerzt es so sehr. Das Josef bald nicht mehr sein wird. Im Hier und Jetzt. Die Seelsorgerin kommt. So schön, dass sie da ist. Sie setzt sich zu uns. Auf Schmerzenshöhe. Wir weinen. Mehr gibt es nicht zu tun.
Uli und Klara kommen am Nachmittag. So unbefangen geht Klara mit Josef um. Er ist ihr Bruder und beide haben spürbar eine innige Verbindung. Klara ist überglücklich, dass sie nun Hörspiele bei Josef hören darf. Nun ist es für sie etwas aushaltbarer in der Klinik zu sein. Wir trinken Tee. Essen die Plätzchen. Fragen uns: Wagen wir heute einen Spaziergang? Vielleicht ersteinmal nur den Gang rauf und runter? Wir fragen die Schwester. Natürlich sagt sie. Natürlich. Der Kinderwagen wird geholt. Er wird gepolstert. Wir packen Josef in einen Anzug. Eine Überwachung wird in den Kinderwagen gepackt. Wir sind hochgradig angepannt. Doch wir fahren mit Josef im Kinderwagen den langen Gang entlang. Durch die Schleuse und dann schnell wieder zurück. Wir waren mit Josef fast draußen! Wir sind erfüllt von diesem Erlebnis mit Josef. Unser Josef war stabil. Die Augen hatte er auf. Aufgeregt, was da jetzt mit ihm und uns passiert.
Wir legen Josef wieder in sein Bett. Ziehen den Anzug aus. Kuscheln mit ihm. Uli kuschelt mit Josef. Dann fahren wir wieder. Schlaf gut, lieber Josef. Schlaf gut. Die Schwester macht die Kamera über Josefs Bett für uns an. Damit wir Josef zu Hause sehen können. Ein Geschenk. Noch eins.