Nach dem Aufwachen rufe ich gleich in der Klinik an.

Mit Josef ist alles unverändert. Er habe geschlafen. Viel Sekret hat er. Gut, wir kommen in die Klinik. Klara verbringt den Tag bei Freunden. Die Klinikfahrerei strengt sie an. Sie braucht eine Pause. Wir bringen Klara zu Freunden. Einen schönen Tag wünschen wir dir, liebe Klara. Den Josef grüßen wir von dir! Wir kommen gut durch. Es ist Feiertag und die Straßen sind ruhig. Den kleinen Schleichweg gehen wir lang. Er ist heute matschig. Wärmer ist es. Wir gehen durch die Notaufnahme. Die Treppe rauf. Den Gang entlang. Stehen vor der Schleuse. Klingeln. Wir sind es, Josefs Eltern. Wir gehen den Gang runter. Dann rechts. Wir hängen unsere Sachen in den Schrank. Desinfizieren unsere Hände. Ich stelle die Milch in den Kühlschrank. An den beiden Inkubatoren vorbei gehen wir in Josefs Zimmer. Guten Morgen, lieber Josef. Von deiner Schwester sollen wir dich grüßen. Josef schläft gerade. Wir sitzen bei ihm. Nur dasitzen. Der Oberarzt kommt gegen Mittag. Wir wecken Josef. Dann untersucht er Josef. Horcht ihn ab. Drück hier und dort etwas. Stabil ist Josef. Er meint, nachher können wir sprechen. Im Besprechungsraum. Wir kuscheln mit Josef. Abwechselnd. Mal Uli. Dann ich. Josef atmet. Wir atmen.
Am späten Nachmittag gehen wir mit dem Oberarzt zur Besprechung in den Besprechungsraum. Josef ist stabil. Was machen wir jetzt? Wenn wir wollen, können wir ihn mit nach Hause nehmen. Wie soll das gehen? Wir können doch nicht Tag und Nacht an seinem Bett sitzen und ihn absaugen. Nein, meint er. Es gibt Pflegedienste. Und Unterstützung. Die Elternberatung könnte mit uns alles organisieren. Josef stirbt also nicht? Jetzt nicht? Keiner weiß, wie lange er leben wird. Momentan sei er stabil. Es gäbe auch noch das Kinderhospiz Sonnenhof. Kennen sie das? Nein. Soll Josef dann zum Sterben ins Hospiz? Er werde uns ein Flyer vom Kinderhospiz geben. Alles weitere wird die Elternberatung mit uns besprechen.
Ganz durcheinander kommen wir aus dem Gespräch. So voll und leer zugleich. Wir gehen zu Josef. Josef, unsere Josef, du kommst vielleicht nach Hause. Josef, du kommst vielleicht nach Hause. Bald.
Wir wünschen Josef eine gute Nacht. Schlaf gut, Josef. Nach Hause fahren wir. Vorher holen wir Klara ab. Einen guten Tag hatte sie. Klara, dein Bruder kommt vielleicht nach Hause. Hörst du? Josef kommt vielleicht nach Hause.
Zu Hause machen wir den Rechner an und schauen nach Josef. Wir nennen es liebevoll unser Josefkino.