Es ist 2.30 Uhr. Ich schrecke auf.

Ich höre Josef laut husten und würgen. Es poltert. Die Absauge geht an. Ich spüre mein Herz bis zum Hals pochen. Ich wecke Uli. Uli, komm. Steh auf. Ich ziehe mir etwas über und gehe ins Wohnzimmer.

Ich sehe die Schwester am Wickeltisch stehen. Josef liegt auf dem Wickeltisch. Sie hat den Ambubeutel in der Hand und stößt Luft in Josefs Lunge. Als sie mich sieht, sagt sie, ich habe alles im Griff. Es ist alles gut. Ich gehe zu Josef und nehme ihn in den Arm. Ohne nachzudenken. Ich drücke ihn an mich. Spüre seine angestrengte Atmung. Dann schaue ich ihn an und sehe, dass er keine Nasensonde mehr hat. Die Schwester erzählt rapportartig was passiert sei:
23.30 Uhr. Josef würgt und hustet. Sie habe ihn abgesaugt und inhaliert. Besserung. 2.15 Uhr. Josef hustet und würgt aus dem Tiefschlaf. Sie habe ihn erneut abgesaugt. Keine Besserung. Josef sei zyanotisch (blau) gewesen. Sie habe die Magensonde gezogen. Keine Besserung. Sie habe ihn dann mit dem Ambubeutel beatmet. Dann sei ich gekommen. Sie schlage vor, Josef jetzt mit Salbutamol und Atrovent zu inhalieren. Vorher würde sie ihm eine neue Nasensonde legen.

Ich höre sie und halte Josef. Möchte ihn beschützen. Lieber Josef, habe ich nicht gut genug auf dich aufgepasst? Uli steht neben uns. Lässt sich noch einmal alles erzählen. Ich höre Worte wie obstruktiv und zyanotisch. Ich verstehe nicht. Dann lege ich Josef vorsichtig auf den Wickeltisch. Uli holt warmes Wasser aus der Küche. Die Schwester sucht eine neue Nasensonde. Nimmt sie aus der Verpackung. Feuchtet sie im warmen Wasser an und schiebt sie Josef durch die Nase, in die Speiseröhre und dann in den Magen. Josef dreht den Kopf.

Ich könnte weinen. Tue es nicht. Ich nehme Josef wieder in den Arm und höre wie er ganz merkwürdig atmet. Die Schwester meint, er habe Mundbodenatmung. Wieder so ein Wort, dass ich vorher noch nicht kannte. Sie macht die Inhalation fertig. Ich gebe ihr Josef zum Inhalieren. Wir sitzen noch eine Weile bei ihr und Josef. Sie erzählt, sie habe schon ganz andere Situationen erlebt. Dann erzählt sie von anderen Vorfällen bei anderen Kindern. Das sie eigentlich Ärztin werden wollte. Naja, nun sei sie Kinderkrankenschwester.

Als Josef gegen 4.00 Uhr eingeschlafen ist, gehen wir auch ins Bett. Ich schlafe nicht mehr. Pumpe um 5.30 Uhr Milch ab. Stehe auf. Gehe ins Bad. Wasche mich. Ich gehe ins Wohnzimmer. Josef scheint im Arm der Schwester zu schlafen. Er atmet sehr angestrengt. Es hört sich ziehend an. Sein Mundboden bewegt sich beim Atmen. Als versuche er dadurch mehr Luft zu bekommen. Die Schwester meint, sie würde ihn noch einmal inhalieren. Ja, sage ich.

Ich gehe in die Küche. Frühstück muss gemacht werden. Wenigstens für Klara. Ich setze Wasser für Tee und Kaffee auf. Decke den Tisch für Klara. Uli ist schon im Wohnzimmer bei Josef. Wir beschließen die Kinderärztin anzurufen. Ich komme. Ich komme um 9.00 Uhr. Um 9.00 Uhr bin ich da, sagt sie. Danke.

Ich wecke Klara. Meine liebe Klara, aufstehen. Sie steht auf, zieht sich an und kommt mit in die Küche. Vorher sagt sie Josef guten Morgen. Klara frühstückt. Ich bleibe bei ihr und Uli bei Josef. Klara geht los. Los in den Hort. Ich winke ihr, bis ich sie nicht mehr sehen kann. Es sind Ferien. Dann setze ich mich zu Josef und der Schwester. Uli geht ins Schlafzimmer. Das nun für drei Tage in der Woche auch ein Arbeitszimmer ist. Sein erster Arbeitstag heute von zu Hause.

Um 9.00 Uhr klingelt es. Die Ärztin ist da. Sie meint, Josef hat einen Infekt. Was nun? Die Schwester meint, sie hatt mal ein Kind gepflegt. Da war es ähnlich gewesen. Da wurde abwechselnd alle 2 Stunden mit Budenobronch, Salbutamol/Atrovent und Ambroxol inhaliert. Josefs Kinderärztin denkt kurz nach und meint, das probieren wir. Sauerstoff können wir Josef besonders bei Sättigungsabfällen geben. Gut. Sie schreibt alles in die Akte. Sie geht. Rufen sie mich an, wenn Josef sich verschlechtert, sagt sie. Ja, das machen wir.

Es klingelt. Unsere Haushaltshilfe ist da. Was soll ich für euch kochen, fragt sie? Ich weiß es nicht. Kein Hunger. Kann nicht an Essen denken. Gut, sagt sie. Ich denke mir was aus. Ja.

10.00 Uhr klingelt es. Die Tagdienstschwester steht vor der Tür. Ich kenne sie nicht. Sie kennt Josef nicht. Kennt uns nicht. Sie kennt aber die Nachtdienstschwester, die immer noch bei uns ist. Sie tauschen sich aus. Ich höre zu und höre doch nichts. Josef bekommt Sauerstoff. Ein Schlauch mit zwei kleinen Öffnungen für die Nase. Er scheint besser Luft zu bekommen. Zu mindestens wackelt der Mundboden nicht mehr. Josef, mein Josef. Ich halte ihn und habe gleichzeitig Angst ihn zu zerbrechen. Habe ich nicht gut genug aufgepasst? Habe ich etwas übersehen? Wir konnte er einen Infekt bekommen? Was hat es zu bedeuten? Für ihn? Klara war so selten krank, dass ich Infekte nicht kenne. Einatmen und Ausatmen.

Ich rufe die Logopädin an. Liebe Logopädin, so gern würde ich sie sehen. Doch Josef ist krank. Gut sagt sie. Ich komme dann am Donnerstag. Wenn es nicht geht, rufen sie an. Ja, sage ich. Ja. Das Telefon klingelt. Eine Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt. Sie besuche Mütter mit Neugeborenen. Sie habe von uns gehört. Wolle uns gern unterstützen. Sie könne gern vorbeikommen. Ja. Ja, gern. Nächsten Woche? Montag. Ja. Bis dann. Auf Wiederhören.

Gegen 12.00 Uhr macht Uli eine Pause. Eine Arbeitspause. Lass uns rausgehen, Uli. Reden und laufen. Ich fühle mich ganz taub. Übermüdet und taub. Wird er sich erholen? Unser Josef. Ich hoffe es so. Als wir wieder zu Hause sind schläft Josef. So friedlich, mein Josef. Ich sitze die meiste Zeit bei ihm und der Schwester. Die Schwester ist nett. Wir erzählen. Ich bin offen. Erzähle von Josef und uns.

Gegen 15.00 Uhr hole ich Klara aus dem Hort. Sie sieht glücklich aus. Wir laufen nach Hause. Ich erzähle Josef hat einen Infekt. Es geht ihm schon besser. Unserem Josef geht es schon besser, liebe Klara. Zu Hause setzen wir uns mit Tee und Keksen zu Josef.

Um 16.30 Uhr hört Uli auf zu arbeiten. Das Arbeitszimmer wird wieder zum Schlafzimmer.

Um 18.00 Uhr geht die Schwester. Bis morgen, ja bis morgen. Josef schläft. Schlaf, lieber Josef, schlafe dich gesund. Zusammen essen wir Abendbrot. Ich weiß nicht mehr was. Zusammen schauen wir Kika. Wir bringen Klara ins Bett, lesen ihr vor und machen ihr ein Hörspiel an. Uli übernimmt die Inhalation um 20.00 Uhr.

Um 21.00 Uhr klingelt es. Der Pfleger ist da. Wir erzählen. Er liest sich die Anordnungen in der Akte durch. Gut, sagt er. Schlafen Sie gut. Ich kümmere mich um Josef. Schlaf gut, mein Josef. Schlaf gut. Schlaf dich gesund. Um 3.00 Uhr pumpe ich Milch ab. Gehe ins Wohnzimmer. Mein Josef schläft. Er bekommt keinen Sauerstoff mehr. Alles gut? Ja. Ich gehe in die Küche. Stelle die Milch in den Kühlschrank. Gehe wieder ins Bett.