Der Wecker klingelt. Es ist 6.30 Uhr.

Geburtstag. Heute ist dein Geburtstag, mein Josef. Ich stehe auf. Gehe ins Bad. Aus dem Wohnzimmer höre ich Josef. Die Schwester spricht mit ihm. Ganz liebevoll.

Ich wasche mich. Gehe ins Wohnzimmer. Nehme Josef in den Arm. Sage, alles, alles Gute und Liebe, mein Josef. Ich küsse Josef. Uli kommt zu uns. Nimmt seinen Josef und hält ihn. Alles, alles Gute, mein Sohn.

Die Schwester spült die Inhalette aus. Ich gehe in die Küche. Setze Wasser auf. Für Tee und Kaffee. Decke den Geburtstagsfrühstückstisch. Girlanden. Kerzen. Kuchen. Geschenke. Die Schwester. Wünscht alles Gute. Sagt, die Nacht war ruhig. Sagt, sie denkt, eine Feier ist zu viel. Für Josef. Aber wir sollen entscheiden.

Ja, sage ich. Wir entscheiden. Sie verabschiedet sich. Schaf gut, sage ich. Danke. Das schlechte Gewissen schleicht sich an. Von hinten. Ist es zu viel? Diese Feier im Kinderhospiz?

Es ist wichtig, denke ich. Wichtig. Für Josef. Für uns. Seinen Geburtstag zu feiern. Wir wissen ja nicht. Wie viele Geburtstage wir noch mit Josef feiern werden. Einatmen und Ausatmen.

Klara kommt in die Küche. Wir singen. Ganz laut. „Weil du heut Geburtstag hast. Da haben wir gedacht….“ Klara pustet die Kerze aus. Für Josef. Packt seine Geschenke aus. Kleine, bunte Therapiebälle. Für Josef.

Nach dem Frühstück fahren wir los. Wir kommen gut durch. Durch diese Stadt. 9.30 Uhr sind wir da. Das Buffet wird aufgestellt. Die liebe Hauswirtschaftsfrau hat schon alles vorbereitet. Welch ein Segen. Klara bastelt Schilder. Mit Pfeilen. Damit die Gäste wissen, wohin sie müssen.

Um 10.00 Uhr kommen die Gäste aus dem Kinderhospiz. Mit den Pflegern. Schwestern und Eltern. Zum Frühstück. Es ist schön. In dem hellen Wintergarten. Josef wird gehalten. Von den Schwestern. Den Pflegern. Uns.

Heute ist Josef ganz schick. Er trägt ein kleines Hemd und eine schicke Hose. So wie es sein muss. An einem Geburtstag. Nach und nach kommen unsere Gäste. Großeltern kommen. Tanten. Freunde. Therapeuten. Ärzte. Kinder. Es gibt viele Geschenke. Für Josef. Er geht von Arm zu Arm.

Er ist ganz entspannt. An seinem Geburtstag. Die Kinder spielen im Garten. Es ist kalt. Zum Aufwärmen kommen sie rein. Essen eine heiße Suppe. Kuchen. Schokopudding. Verschwinden im Spielzimmer. Im Snoezelraum. Gäste kommen und gehen. Es ist schön. So viele Menschen sind da. Feiern mit uns. Unseren Josef.

Ein Jahr ist er nun alt. Ein Jahr. Wer hätte. Das gedacht. Ein Jahr schon. Es ist ein großer Trubel. Ganz viel Leben im Kinderhospiz. Der Geruch vom leckerem Essen strömt durch das Haus. Viele Gäste, Pfleger, Schwestern, Geschwisterkinder und Eltern trauen sich zu uns. Feiern mit uns. Das Leben. Das Leben. Im Kinderhospiz.

Josef ist entspannt. Keine Krise. Keine Atemnot. Kein Krampf. Zum Abend wird es ruhiger. Es wird dunkel draußen. Unsere Gespräche werden ruhiger. Wir rücken zusammen. Dann wird Josef plötzlich blau. Ich sauge ihn ab. Dann Uli. Uli inhaliert Josef. Saugt ihn noch einmal ab. Ich halte ihn. Küsse Josef.

War es doch zu viel? Da ist es wieder. Das schlechte Gewissen. Haben wir dir zu viel zugemutet, mein Josef? Josef schläft ein. Ich setze ihn in den MaxiCosi. Die liebe, liebe Hauswirtschaftsfrau hat kaum bemerkt das Geschirr schon in die Kisten sortiert. Das übrigen Essen in die Küche getragen. Für den Nachtdienst.

Wir brauchen nichts zu machen, sagt sie. Fahrt nach Hause. Morgen sind wir wieder da, sage ich. Ja, sagt sie. Es eilt ja nicht. Nichts eilt hier. Sie umarmt mich. Dann fahren wir los. Klara sitzt vorn. Ich hinten mit Josef. Das Licht ist an. Die Fahrt geht gut. Josef schläft.

Zu Hause. Uli inhaliert Josef. Saugt ihn ab. Ich gebe ihm seinen Abendbrei. Küsse ihn. Immer wieder. Alles, alles Gute zu deinem Geburtstag, mein Bär. Zusammen schauen wir Kinderfernsehen. Uli bringt Klara ins Bett. Liest ihr vor. Ich halte meinen Josef. Küsse ihn. Ziehe ihn um. Für die Nacht. Er schläft ein. Ich lege ihn in sein Bett. Herzfrequenz 105. Sauerstoffsättigung 94.

Um 21.30 Uhr klingelt es. Die Schwester. Wir gehen noch nicht ins Bett. Bleiben bei Josef. Ich lege meine Hand auf seinen Kopf. Uli hält seine Hand.

Kurz vor 22.00 Uhr laufen mir Tränen über mein Gesicht. Vor einem Jahr, mein Josef. Wurdest du geboren. Ganz still. Ich küsse Josef. Wir gehen ins Bett. Wir halten uns. Lange. Irgendwann schlafen wir.