Um 6.30 Uhr bin ich wach.

Ich stehe auf. Gehe ins Bad. Wasche mich. Gehe in die Küche. Setze Wasser auf. Für Tee und Kaffee. Uli ist wach. Kommt zu mir in die Küche. Wir trinken Kaffee. Einatmen und Ausatmen.

Ich rufe in der Klinik an. Die Schwester ist sehr freundlich. Sagt, Josef ist stabil. Es geht ihm gut. Den Umständen entsprechend geht es ihm gut, sagt sie. Ich bin erleichtert. Sage, wir kommen. Ganz in Ruhe, sagt die Schwester. Ganz in Ruhe.

Um 8.00 Uhr wollen wir Klara abholen. Fahren los. Stehen vor der Tür. Klara kann ruhig noch bleiben, sagt unsere Bekannte. Klara kommt an die Tür. Ich frage sie, ob sie mit in die Klinik möchte. Klara sagt, nein. Sie möchte lieber bei ihrer Freundin bleiben. Spielen. Dann ist sie verschwunden. Am Nachmittag holen wir dich ab, meine Klara. Ob sie mich noch hört?

Wir fahren los. Los in die Klinik. Wir kommen gut durch. An diesem Sonntag. Vor der Klinik finden wir ein Parkplatz. Ich steige aus. Vor meinen Füßen finde ich ein vierblättriges Kleeblatt. Uli, ein Kleeblatt. Glück. Heißt das doch. Glück.

Ich bin unruhig. Aufgewühlt. Wir fahren mit dem Fahrstuhl auf die Kinderintensivstation. Müssen klingeln. Sagen, die Eltern von Josef. Werden reingelassen. Sachen einschließen. Hände waschen. Desinfizieren. Kittel anziehen. In Josefs Zimmer gehen. Mir laufen Tränen. Josef. Liegt im Bett. Mit einem Beatmungsschlauch im Mund. Mit einem Pflaster ist der Schlauch fixiert. In seiner Nase hat er noch eine Nasensonde.

Ich traue mich nicht, ihn aus dem Bett zu nehmen. Zu viele Kabel. Ich streichele seinen Kopf. Seinen Arm. Küsse ihn. Der Geruch vom Pflaster. Ich fühle mich zurückgeworfen. In die Zeit um Josefs Geburt. Auf der Neonatologie. Die Ärztin kommt. Sagt, es geht ihm gut. Wir müssen entscheiden, wann der Beatmungsschlauch gezogen werden soll.

Wieder entscheiden. Wieder entscheiden. Wieder entscheiden. Beatmungsschlauch. Beatmungsschlauch. Beatmungsschlauch. Es dröhnt in mir. Ich frage, kann jemand vom SAPV-Team kommen. Bitte. Vielleicht. Sprechen, sage ich. Ich möchte sprechen. Mit dem SAPV-Team. Ja, sagt die Ärztin.

Wir sitzen bei Josef. Zwei Kinder liegen noch in Josefs Zimmer. Ein Mädchen. Ein beeindruckendes Mädchen. Sie ist schon lang hier. Ihre Mutter auch. Ein kleiner Junge liegt neben Josef. Er wird entlassen heute. Auf eine andere Station. Braucht das Intensive nicht mehr.

Die Palliativärztin kommt. Sie ist da. Ich rede. Wir reden. Sage, es fühlt sich an. Wie damals auf der Neonatologie. Zurückgeworfen. Sie ist da. Hört zu. Fühlt mit. Ich möchte Josef in den Arm nehmen, sage ich. Ihn spüren. Machen sie das, sagt sie.

Ich nehme Josef. Halte ihn. Spüre ihn. Komme wieder ins Gespür mit ihm. Mit uns.

Uli und ich entscheiden. Jetzt soll er gezogen werden. Dieser Beatmungsschlauch. Die Inhalette wird vorbereitet. Dann zieht die Ärztin den Beatmungsschlauch. Josef wird gleich inhaliert.

Atmet.

Atmet.

Atmet rauschend. Wie ein Meeresrauschen. Diese Atmung. Ich nehme ihn in den Arm. Küsse ihn. Bin ganz vorsichtig. Josef, mein Josef. Du hast doch jetzt einen Bauchschlauch.

Sie geben Josef langsam und vorsichtig Flüssigkeit über den Bauchschlauch. Es funktioniert. Die Schwester sagt, die PEG wurde befahren. Ach so, sage ich. Ach so. Befahren. Muss lachen, weil es so ungewohnt klingt. Die PEG befahren.

Uli ruft bei unser Bekannten an. Lässt sich Klara geben. Sagt, Josef geht es gut. Sie umarmen sich. Durch das Telefon. Ich kann es spüren. Mit der Ärztin besprechen wir, dass Josef nach Hause kann. Morgen schon. Das ist wunderbar, sage ich.

Ich rufe die Pflegedienstleitung an. Sage, morgen schon. Nach Hause. Wir brauchen einen Dienst. Ja, sagt sie. Der Dienstplan steht. Gut, sage ich. Das ist gut. Ich halte Josef. Uli hält Josef. Immer abwechselnd spüren wir. Josef ist da. Wir sind da. Sind alle da. Noch. Nur Klara ist wo anders.

Am Nachmittag fahren wir. Fahren zu Klara. Wissen Josef in guten Händen auf der Kinderintensiv. Im Nachtdienst wird eine Freundin arbeiten. Sie hat eine ganz besondere Verbindung. Zu Josef. Zu uns.

Wir holen Klara ab. Fahren nach Hause. Kuscheln. Essen Abendbrot. Nudeln. Mit Pesto. Schauen Kinderfernsehen. Wir bringen Klara ins Bett. Sie schläft heute bei uns. Uli liest ihr vor. Macht ihr das Hörspiel an. Ich rufe in der Klinik an. Alles gut. Wir gehen ins Bett. Erschöpft. Schlafe ich.