Es ist Samstag.

Allein gehe ich in die Klinik. Ganz allein. Zum ersten Mal. Allein. Klara und Uli sind im Hotel. Noch. Kinderfernsehen am Morgen. Durch die Notaufnahme gehe ich zur Station. Ruhig ist es heute. Klingeln. Ich bin es, Josefs Mama. Gang runter. Rechts. Sachen einschließen. Hände desinfizieren. Hier, meine Milch. Wie war die Nacht von Josef, liebe Schwester? Unverändert. Nein, die Augen öffnet er nicht. Auch sonst nichts. Leider. Vorbei an den anderen Inkubatoren zu Josef. So groß bist du, Josef! Im Vergleich zu den kleinen Menschen neben dir. Ein Stuhl neben deinem Bett. Am Fenster. Mein Stuhl. Damit ich mich zu dir setzen kann. Hinter dir und neben dir die Monitore und Infusionsbäume, Josef. Der Sauerstoff und Stickstoff. Auf dem Fensterbrett steht eine Pumpe für die Milch. Für dich die Milch, Josef. Und für mich. Damit ich etwas tun kann. Meist pumpe ich neben dir die Milch ab. Manchmal gehe ich in das Elternzimmer. Wenn es zu geschäftig ist in deinem Zimmer, Josef. Und Tee trinke ich. Viel Tee. Stilltee. Für die Milch. Routiniert, auch ich. Irgendwie.
Im Gespräch mit dir, Josef. Wir beide allein. Zusammen. Vor einer Woche wurdest du geboren, Josef. Vor einer Woche waren wir guter Dinge. Nun sitze ich bei dir. Du auf der Intensivstation mit Schläuchen überall. Niemand ist mehr guter Dinge. Schmerz und Traurigkeit in mir. Möchte doch, dass es dir gut geht. Dir alles Leid nehmen. Und sitze nur hier. Halte deine kleine Hand. Ganz zaghaft, damit die Zugänge nicht raus rutschen. Ganz zaghaft. Es tut so weh. Uli mit Klara. Heute sind sie unterwegs. Im Museum. Und dann auf dem Weihnachtsmarkt.
Wir beide, Josef. Miteinander. Die Krankenschwester liebevoll. Stützend. Sie machen es gut, sagen sie. Was mache ich denn schon?
Dein Zwerchfell zuckt, Josef. Manchmal sehr stark. Ein Krampf? Medikamente wurden abgesetzt, sagt die Schwester. Du darfst wach werden, lieber Josef. Wir warten. Klara und Uli kommen am Nachmittag. Klara hat für ihren Bruder ein Bild gemalt. Wir heften es dir ans Bett, Josef. Gute Nacht, Josef.