Nikolaus.

Geschenke in Stiefeln. Freude. Zu Hause bei Klara. In der Klinik anrufen. Die Nacht war ohne Besonderheiten. Josef ist stabil im schlechten Zustand. Wir machen uns auf den Weg. Ankommen. Klingeln. Gang runter. Rechts. Sachen einschließen. Hände desinfizieren. Milch in den Kühlschrank. Zu Josef. Seine Augen. Immer noch geschlossen. Wird er sie je öffnen? Licht sehen? Welche Augenfarbe hast du, lieber Josef? Wirst du die Luft außerhalb der Klinik spüren? Josef wackelt etwas mit seinem Bein. Lege meine Hand auf sein Bein. Gut, mein Josef, ich bin da. Alles gut mit uns beiden. Ich spüre seine Wärme. Seine Haut. Weich. Schön ist er. Der Josef. Schön. Er wird beatmet. Weiterhin. Abgesaugt auch. Viel, viel Sekret aus seinem Tubus, durch den die Luft in seine Lungen fließt. Ohne Beatmung und Absaugen geht es nicht. Noch nicht? Nie? Der Nabelvenenkatheter wird gezogen. Ein Schlauch weniger. Meine Muttermilch bekommt er über die Nasensonde. Verträgt sie gut, die Milch. Lohnt sich das Abpumpen. Weiter damit. Etwas tun. Uli liest vor. Jim Knopf. Ein Murmeln, Josef. Hörst du?
Eltern kommen zu den anderen Kindern im Zimmer. Inkubatoren mit kleinen Kindern. Ab und zu ein Alarmsignal. Sie wirken routiniert. Die Eltern. Drücken auf die Knöpfe, um den Alarm abzustellen. Ihre Kinder bewegen sich, schreien sogar manchmal mit ihren dünnen Stimmchen. Ich sehe ihnen zu. Sie erreichen mich nicht. Josef bewegt sich nicht, zeigt keine Regungen im Gesicht. Er ist einfach da und schläft. Sein Brustkorb hebt und senkt sich von der Beatmung. Manchmal piept auch bei Josef der Alarm. Wenn eine Infusion durchgelaufen ist. Oder seine Saustoffsättigung im Blut unter die Alarmgrenze fällt. Es ist laut auf der Intensivstation. Laut ist es vom Piepen der Alarme und Inkubatoren. Die Beatmungen klacken. Die Absaugen zischen.
Die Seelsorgerin kommt. Stellt sich neben uns. Ist da. Nur da. Das hilft schon. Spricht kurz mit Josef. Josef ist ja auch da. Oder? Die Elternberatung fragt, was brauchen Sie? Fragt, ob wir Hilfe brauchen für die Dinge da draußen. Geburtsurkunde, Mutterschaftsgeld, Kindergeld, Krankengeld. Wie ist das bei Ihnen, fragt sie. Möchte uns nicht allein lassen. Eine Verbindung nach draußen schaffen. Damit wir uns nicht verlieren. Danke. Wir überlegen, was noch zu tun sein könnte. Die Geburtsurkunde sollte uns zugeschickt werden. Damit können wir dann die anderen Dinge beantragen. Amtlich ist Josef noch gar nicht auf dieser Welt.
Heute Abend kommt Klara. Sie bleibt bis Sonntag, Josef. Bis Sonntag.