Montag. Ganz anders der Morgen.

Unruhig. Die Straßen sind voll. Lichter. Von den Autos. Wir gehen was Essen. Was essen müssen wir. Frühstücksbrot auf die Hand. Kaffee im Becher. Ich erkenne eine Mutter aus der Klinik im Cafe. Wir grüßen uns. Lachen uns an. Vielleicht nachher zusammen eine Pause machen? Ja, vielleicht. Wenn es geht. Es ist noch dunkel draußen. Uli und ich schweigen. Beide. Montag. Was wird uns erwarten? Durch die Notaufnahme. Voller ist es heute. Auch hier. Treppe rauf. Gerade aus. Klingeln. Wir sind es, Josefs Eltern. Gang runter. Rechts. Sachen in den Schrank schließen. Hände desinfizieren. Milch in den Kühlschrank. Name, Datum, Uhrzeit nicht vergessen rauf zu schreiben. An den anderen Kindern vorbei. Zu Josef. Guten Morgen Josef. Er sei im schlechten Zustand stabil. Nein, die Augen hat er nicht geöffnet. Er schläft. Immer noch. Immer noch. Der Oberarzt möchte mit uns sprechen. Über Josef. Josef zeige keine Reflexe. Leider. Nichts auszulösen. Kein Würgereflex. Kein Hand- und Fußgreifreflex. Keine Spontanbewegung. Leider. Für morgen sei ein MRT von Josefs Kopf geplant. Wahrscheinlich unter Beatmung. Dann kann vielleicht mehr gesagt werden. Wenn wir Bilder haben. Schauen können, welche Regionen im Gehirn betroffen sind. Von dem Sauerstoffmangel. Prognose sei schwierig. Sehr schwierig. Der Anästhesist wird mit uns sprechen. Er kommt vorbei. Ja.
Wie gelähmt. Kann nicht sprechen. Nicht denken. Keine Pause machen mit anderen Menschen. Keinen Smalltalk halten. Nur: Milch abpumpen. Windeln wechseln. Sensor umsetzen. Was tun. Irgendwas tun. Uli liest vor. Michael Ende.
Die Elternberatung fragt: wie es uns geht? Wissen wir nicht. Kein Ausdruck dafür. Gerade. Josef fühlen. Ihn anfassen. Josef, wir sind da.
Mit Klara telefoniert. Mit den Großeltern telefoniert. Klara sei traurig und weine. Wieder mit Klara telefoniert. Umarmt durch das Telefon. Ich tröste dich, Klara. Schlaf gut, Klara. Schlaf gut, Josef.