Früh. Dunkel ist es.

Immer dunkler früh. Wir sprechen kaum. Atmen. Den Trampelpfad zur Notaufnahme. Etwas matschig heute. Treppe rauf. Geradeaus. Klingeln. Zu Josef wollen wir. Wir. Die Eltern. Gang runter. Rechts. Sachen einschließen. Hände desinfizieren. Wie war die Nacht? Schwester. Unverändert. Im schlechten Allgemeinzustand stabil. Chefvisite. Zum Glück sind wir zu Zweit. Zu Viert. Gemeinsam. Der Eine hört, wenn der Andere nicht mehr kann. Abwechseln. Kraft tanken. Wo nochmal?
Gespräch mit Herrn Prof. bei der Chefvisite. Menschen. So viele. Um Josef. Schauen betroffen. Oder irre ich mich? Ja, wir wissen, unser Sohn wird nicht gesund. Das wissen wir. Josef ist schwer geschädigt. Er atme nicht allein. Vermutung: Vielleicht Hirnstammschädigung? Schutzreflexe fehlen. Sein klinisches Bild ist tragisch. Er zeigt nicht viel. Leider. Der Josef. Die Kühlung hilft gut bei leichten Schäden durch Sauerstoffmangel. Bei solch schweren Schäden leider nicht. Morgen wird erst das MRT gemacht. Josef ist zu instabil heute. Der Anästhesist kommt heute zu uns und wird mit uns über die Narkose sprechen. Eine Frage noch: Darf ich ihn mal halten, Herr Prof.? Einmal? Josef, meine ich. Ihn halten? Auf meinem Schoß? Ihn spüren? Darf ich das? Nur einmal. Bitte. Ich verstehe sonst nichts. Möchte Josef doch nur halten. Ja. Das gehe. Mit Aufwand. Aber es gehe. Ich setze mich neben Josefs Bett. Mein Stillkissen auf dem Schoß. Dann wird Josef auf das Kissen gelegt. Ganz vorsichtig. Mit der Beatmung und all den Zugängen. Welch ein Glück! Josef auf meinem Schoß. Sein Kopf berühren. In meiner Hand. Dann ist Uli dran. So glücklich. Beide.
Ein EEG soll gemacht werden. Eine Frau kommt. Sie fixiert Elektroden auf Josefs Kopf. Ich schmunzel innerlich, weil Josef lustig ausssieht mit den Eletroden. Darf ich überhaupt lachen? Wie sieht es aus, EEG-Frau? Sie könne nichts sagen. Später. Der Arzt dann.
Mit dem Anästhesisten gesprochen. Erklären lassen wie kompliziert es ist. Ein MRT unter Beatmung. So ist es nun. Ändern können wir nichts. Leider.
Am Nachmittag Besuch. Freunde. Wir erzählen das Gehörte und verstehen doch nicht. Tränen. Und doch ein wenig Glück. Josef auf dem Schoß gehabt. Speichern dieses Glück! Jetzt sind wir hier mit Josef. Klara zu Hause. Zusammen wäre schön. Zusammensein.
Spät ins Hotel. Gute Nacht, Josef. Mit Klara gesprochen. Besser gehe es ihr. Den Mie hat sie bekommen. Das Maskottchen aus der Schule. Schön. Wir vermissen uns. Wir Klara. Und Klara uns. Schlaf gut, Klara.