Um 5.30 Uhr ruft die Schwester die Ärztin an.

Erzählt. Sie sagt, die Ärztin ist in einer halben Stunde da. Die Schwester soll Josef schon jetzt ein Antibiotikum geben.

6.00 Uhr ist die Ärztin da. Josefs Zustand ist schlecht. So schlecht. Die Ärztin fragt mich, ob wir den Notarzt holen sollen. Oder nicht? Ich sage, ich muss das mit meinem Mann besprechen. Rufe Uli an. Rufe ihn an. Sage, Josef. So schlecht. Was tun? Notarzt? Ja. Aber nicht intubieren bitte. Keine Intubation. Ja.

Der Notarzt wird geholt. Die Ärztin und der Notarzt. Reden kurz. Dann wird Josef auf eine riesige Pritsche geschnallt. Er bekommt Sauerstoff. Viel Sauerstoff. Am liebsten würde ich ihn im Arm halten. Das geht nicht, sagt der Arzt. Dann schnell.

Ich sitze neben Josef im Notarztwagen. Mit Blaulicht durch die Stadt. In der Rettungsstelle wird Josef schnell in einen Raum gebracht. Alles so schnell. Hell ist es. Josef auf dem riesigen Bett. Elektroden auf seiner Brust. Er bekommt Sauerstoff. Viel Sauerstoff. Der Arzt kommt. Dann kommen noch zwei Ärzte von der Kinderintensivstation. Sagen, Wachstation.

Die Lunge wird geröntgt. Nichts zu sehen, sagt der Arzt. Keine Lungenentzündung. Blut wird gezogen. Uli kommt. Habe ihn angerufen. Vorhin. Gesagt wo wir sind. Ich lasse Josef die ganze Zeit nicht allein. Seine Atmung bessert sich. Ohne, dass irgendjemand irgendetwas sichtlich tut.

Dann werden wir auf die Wachstation gebracht. Josef wird verkabelt. Uns wird die Absauge erklärt. Der Sauerstoff wird etwas runter gestellt. Stündlich wird er inhaliert. Bekommt weiter Antibiotikum. Seine Atmung wird etwas besser.

Ich sitze da. Pumpe Milch ab. Fühle mich zurückgeworfen. In die Zeit um seine Geburt. Diese Angst. Das grelle Licht. Die vielen Menschen. Josef. Der ihnen ausgeliefert ist. Nun sind wir auf der Wachstation. In unserem Zimmer liegt noch ein Junge. Lungenentzündung. Höre ich. Einatmen und Ausatmen. Es geht besser.

Uli holt uns was zu essen und zu trinken. Die Sonne scheint. Klara. Was ist mit Klara? Uli sagt, ich hole sie. Er fährt los. Holt Klara. Ich sitze. Josef in seinem Bett. An seinen Schläuchen. Würde ihn so gern halten. Das geht gerade nicht. Ich halte seine Hand. Streichele seinen Kopf. Küsse ihn. Nach Ewigkeiten kommt Uli mit Klara.

Klara möchte gern zum Frühlingsfest ins Kinderhospiz. Gut, meine Klara. Es geht Josef besser. Uli fährt sie ins Kinderhospiz. Kommt dann mit ihr wieder.

Der Arzt kommt. Sagt. Josef hat einen Infekt. Muss inhaliert werden. Bekommt Antibiotikum. Die Nacht soll er im Krankenhaus bleiben. Ich frage, ob wir morgen wieder ins Kinderhospiz können. Dort kann er doch auch inhaliert werden. Bitte. Hier im Krankenhaus. Ich halte das nur so schwer aus. Gut, sagt der Arzt. Morgen früh werden wir entscheiden. Einatmen und Ausatmen.

Dann fahren wir spät am Abend. Lassen Josef im Krankenhaus. Die Spätdienstschwester ist sehr freundlich. Sagt, ach der Josef und ich wir kommen schon klar. Gut, sage ich.

Würde gern dort bleiben. Geht aber nicht. Meine Kraft. Ich muss sorgsam mit meiner Kraft sein. Wir fahren nach Hause. Klara, Uli und ich. Das Elternzimmerbett im Kinderhospiz bleibt heute Nacht leer. Zuhause rufe ich gleich in der Klinik an. Hier die Mama von Josef. Wie geht es ihm. Gut, geht es ihm. Er schläft. Gut, sage ich. Bis morgen früh. Ich pumpe Milch ab. Mir laufen die Tränen. Tränen und Tränen.

Uli, sage ich. Es ist noch mal gut gegangen. Oder? Klara schläft zwischen uns. Sie war glücklich heute. Glücklich beim Frühlingsfest im Kinderhospiz. Ich schlafe ein. Ganz erschöpft.

Um 3.00 Uhr pumpe ich Milch ab. Gehe in die Küche. Stelle die Milch in den Kühlschrank. Josef nicht da. Am liebsten würde ich in der Klinik anrufen. Traue mich nicht. Gehe ins Bett. Das Herz klopft bis zum Hals. Es ist noch mal gut gegangen, oder?