Josef wurde am 30. November 2013 geboren.

Kurz vor 22 Uhr. In einem Krankenhaus. Es war still. Er schrie nicht. Uli nabelte ihn ab. Blau ist er, sagt Uli. Blau. In einem Handtuch wurde er weggetragen. Allein waren wir. Unser Sohn nicht da. Er in einem anderen Raum mit vielen Menschen.
Nach zwanzig Minuten kam die Hebamme und berichtete: Er habe nicht geatmet. Er wurde reanimiert. Nun werde er beatmet. Soll gekühlt werden. Ein Neugeborenarzt werde kommen. Er soll in eine andere Klinik verlegt werden. Wie soll ihr Sohn heißen? Josef soll er heißen, Josef Konrad. Mit f. Josef mit f. Konrad mit K.
Stille. Schmerzen. Kann mich nicht bewegen. Werde genäht. Was bedeutet das alles? Nach Hause wollten wir ursprünglich fahren. Mit unserem gesunden Josef. So war es geplant. Klara und unsere Freundin warteten zu Haus auf uns. Wenn alles gut ist, wollten wir doch gleich nach Hause. Und nun. Nun war nicht alles gut. Nichts war gut.
Josef von Weitem gesehen. In einem Inkubator. Schnell, schnell...der Notarzt muss mit ihm losfahren. Nur schnell noch ein Blick. Bitte. Ich sitze im Rollstuhl. Kann nicht zu Josef laufen. Ärzte beugen sich zu mir runter. Tapfer sind sie, sagen sie, tapfer. Was bedeutet das?
Ich werde mit einem Krankentransport hinter Josef her gefahren. Uli allein im Auto. Durch die Nacht. Jeder für sich allein. Mit der Leere. Klara ist zu Hause mit unserer Freundin. Ich hoffe, sie schläft. Die Worte des Neugeborenarztes dröhnen in mir: Ihr Sohn lebt. Aber wahrscheinlich wird er DAS nicht überleben.