5.30 Uhr, der Wecker klingelt.

Ich pumpe Milch ab. Stehe auf. Gehe ins Bad. Wasche mich. Gehe ins Wohnzimmer. Josef schläft noch. Ich gehe in die Küche. Stelle die leeren Milchflaschen in den Geschirrspüler und die vollen in den Kühlschrank. Ich setze Wasser für den Kaffee und Tee auf. Decke den Frühstückstisch.

Klara kommt in die Küche. Sie ist ganz aufgeregt. Heute geht sie wieder zum Karate. Ah, ja. Es fällt mir ein. Sie möchte unbedingt einen Karateanzug haben. Ich antworte, zum Geburtstag. Vielleicht. Das ist noch so lange. Ich weiß. Uli kommt zu uns. Ich gehe ins Wohnzimmer.

Josef schläft noch. Er wird gerade inhaliert. Die Inhalation ist fast zu Ende. Ich höre es deutlich an dem Knistern und Rasseln. Wie war die Nacht. Sehr ruhig, sagt der Pfleger. Josef schlief mit kurzen Unterbrechungen durch. Gut, sage ich. Ich verabschiede den Pfleger. Heute Abend kommt er wieder, sagt er. Gut, sage ich. Schlafen sie gut.

Das Telefon klingelt. Uli geht ran. Klara macht sich auf den Weg zur Schule. Uli winkt ihr und telefoniert gleichzeitig. Die Pflegedienstleitung. Sie teilt mit. Sie teilt uns mit: die Schwester von letzter Woche ist nun länger krank. Sie muss nun umplanen. Leider. Heute kommt eine Schwester. Für Morgen hat sie keinen Ersatz. Für den Tag. Uli sagt, wichtig sind die Nächte. Zur Nacht brauchen wir unbedingt jemanden. Bitte. Ja, sie wird schauen, sagt die Pflegedienstleitung. Versprechen kann sie uns nichts. Sie wird sich melden. Auf Wiederhören.

Einatmen und Ausatmen. Josef wird wach. Ich nehme ihn aus seinem Bett. Küsse ihn. Halte ihn. Eine Unruhe steigt in mir auf. Schaffen wir das? Josef, mein Josef. Wir beide morgen allein. Uli wird da sein. Im Arbeitszimmer. Wir schaffen das. Halten durch. Ab April sind wir im Kinderhospiz. Da ist es sicher. Da werden wir nicht allein gelassen. Hoffe ich.

Um 9.00 Uhr gebe ich Josef seine Milch. Uli arbeitet im Schlafarbeitszimmer. Um 9.30 Uhr klingelt es. Die Haushaltshilfe. Sie bringt wieder Schwung mit. Fast zu viel für mich. Heute. Einatmen und Ausatmen. Sie möchte kochen. Ich weiß nicht, sage ich. Suppe? Ja, Suppe. Sie fährt los. Kauft Zutaten.

10.00 Uhr klingelt es. Die Schwester. Die Schwester der Wochenendnächte. Heute mal am Tag. Sie ist mir sympathisch.

Um 11.00 Uhr klingelt es. Die Logopädin. Josef ist sehr schläfrig heute. Ganz sanft ist sie mit ihm. Er reagiert auf sie. Das ist schön, mein Josef. Mein Josef. Ich küsse ihn.

Es klingelt. Die Haushaltshilfe ist wieder da. Sie fängt an zu kochen. Bitte nicht stören, sagt sie und schließt die Küchentür. Wir verabschieden die Logopädin. Ich habe heute keine Worte. Donnerstag wieder. Sage dann doch, ab April sind wir im Kinderhospiz. Waren da. Ich erzähle am Donnerstag. Gut, sagt sie. Streicht mir über den Arm. Sagt, sie machen es gut. Danke, sage ich. Es tut mir gut, es von ihnen zu hören. Dann geht sie.

Ich gebe Josef seine Milch. Dann gehen wir spazieren. Mit der Schwester. Josef im Tragetuch. Die Schwester schiebt den Kinderwagen. Im Kinderwagen steht die Absauge und der Ambubeutel. Wir gehen im Drogeriemarkt einkaufen. Windeln. Dann gehen wir wieder nach Hause. Es fühlte sich fast an, als wäre Josef gesund. Ist er nicht. Ist er aber nicht.

Zu Hause bekommt Josef seine Milch. Dann baden wir ihn. Uli bringt das Wasser. Ich ziehe Josef vorsichtig aus. Achte auf die Nasensonde. Sie darf nicht rausrutschen. Dann lässt Uli Josef ins Badewasser gleiten. Ich entferne die Elektroden auf seiner Brust. Werde ich mich daran gewöhnen? Immer diese Elektroden auf seiner Brust.

In der Wanne bekommt Josef plötzlich nicht gut Luft. Uli nimmt ihn aus der Wanne. Saugt ihn ab. Es ist besser. Ich beruhige Josef. Trockne ihn ab. Klebe die Elektroden auf seine Brust. Küsse ihn. Halte seinen Kopf in meinen Händen. Einatmen und Ausatmen. Die Schwester geht. Bis bald. Danke, dass sie heute eingesprungen sind. Für die kranke Schwester. Kein Problem, sagt sie. Danke trotzdem.

Uli hält Josef. Es klingelt. Klara wird gebracht. Die Mutter ihrer Freundin sagt, Klara macht es gut. Mit dem Karate. Schön, sage ich. Sie fragt, ob wir die Kinder nächste Woche bringen und holen können. Ich sage, ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob jemand vom Pflegedienst kommt. Ich werde mich melden. Gut, sagt sie. Danke, sage ich.

Uli inhaliert Josef. Zusammen essen wir Suppe zum Abendbrot. Hühnersuppe. Wir schauen Kinderfernsehen. Uli bringt Klara ins Bett. Liest ihr vor. Macht ihr das Hörspiel an. Ich halte Josef. Er schläft. Ich lege ihn auf meine Brust. Ganz entspannt schläft er. Wir atmen zusammen.

21.00 Uhr klingelt es. Der Pfleger. Ich lege Josef in sein Bett. Er schläft weiter. Um 3.00 Uhr pumpe ich Milch ab. Gehe in die Küche. Stelle die Milch in den Kühlschrank. Gehe zu Josef. Er schläft in seinem Bett. Alles gut? Ja.