Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker.

Ich pumpe Milch ab. Gehe ins Bad. Wasch mich. Gehe in die Küche. Stelle die leeren Flaschen in den Geschirrspüler und die vollen in den Kühlschrank. Ich setze Wasser auf für den Tee und den Kaffee. Decke den Frühstückstisch. Klara kommt in die Küche. Uli auch.

Ich gehe ins Wohnzimmer. Josef ist wach. Seine Atmung ganz angestrengt. Die Schwester hält ihn liebevoll im Arm und inhaliert ihn. Sie hat etwas Liebevolles. Möchte alles richtig machen.

Ich frage nach der Nacht. Josef hatte Bauchschmerzen. Sie hatte ihm ein Kirschkernkissen warm gemacht. Dann wurde es besser. Sie hat ihm dann noch atemstimulierende Einreibungen gemacht. Wegen der Atmung. Aha, sage ich. Und gut, sage ich auch.

Dann sagt sie, ich habe ihre Wäsche abgenommen. Ah, sage ich. Danke. Aber, das mache ich lieber selbst. Ihr war langweilig, sagt sie. Und lächelt. Ich höre mich sagen, dass es nett ist. Ich meine Sachen aber lieber selbst abnehme. Sie entschuldigt sich und sagt, ich meine es doch nur gut. Ich weiß, sage ich. Sie meinen es nur gut.

Klara geht los. Los in die Schule. Ich winke ihr nach. Bis ich sie nicht mehr sehe. Dann geht die Schwester. Ich nehme Josef. Halte ihn. Küsse ihn. Uli geht auch. Arbeiten.

Wieder so eine Grenzüberschreitung. Das mit der Wäsche. Sie meint es nur gut. Zu gut. Wie lange halte ich es aus? Diese gut gemeinten Grenzüberschreitungen. Einatmen und Ausatmen. Ich ziehe Josef vorsichtig um. Ganz vorsichtig. Damit die Nasensonde nicht rausrutscht.

Das Telefon klingelt. Die Pflegedienstleitung. Sie möchte mir mitteilen: Nächste Woche Freitag, Samstag und Sonntag hat sie keinen Tagdienst für uns. Auch nicht am 26., 27., 29. und 30.3. Dafür kann sie die Nächte abdecken. Ist das in Ordnung? Was soll ich anderes sagen außer, ja? Ja, ist in Ordnung. Danke, höre ich mich auch noch sagen. Einatmen und Ausatmen.

9.30 Uhr klingelt es. Die Haushaltshilfe. Ich koche euch was, sagt sie. Gut. Ich lasse mich überraschen.

Um 10.00 Uhr klingelt es. Der Pfleger. Der ruhige Pfleger. Ich inhaliere Josef. Gebe ihm seine Mittagsmilch. Josef ist entspannt heute. Entspannter als gestern. Die Haushaltshilfe geht. Sie hat Fisch gemacht. Kartoffeln auch. Süßkartoffeln.

Um 13.00 Uhr klingelt es. Die liebe Physiotherapeutin. Oh, wie gut und schön. Ich ziehe Josef vorsichtig aus. Sie begrüßt ihn. Es ist schön. Beide zu beobachten. Josef immer wieder zu küssen. Wir erzählen. Ich höre ihr gern zu. Wenn sie von dem Leben da draußen erzählt. Der Pfleger sitzt dabei. Liest etwas. Das ist in Ordnung. Mit dem Pfleger ist es irgendwie in Ordnung. Dann geht die Physiotherapeutin.

Ich gehe auch. Klara abholen. Vom Hort. Heute muss ich sie suchen. Oben spielt sie. Die Mädchen haben sich verkleidet. Klara fragt, ob eine Freundin mit zu uns kommen kann. Ich sage, ich weiß nicht. Vielleicht später. Zurzeit geht es nicht. Ihre Freundin sagt, dann kommt Klara zu mir. Das geht, sage ich. Ihre Mutter möchte sie fragen.

Gut, sage ich. Ich gebe ihr meine Telefonnummer mit. Deine Mutter kann mich gern anrufen, sage ich. Klara und ich gehen vorn lang. Vorn an der Straße. Sie hüpft. Das ist schön.

Zu Hause trinken wir Tee und Kakao. Josef nehme ich mit in Klaras Zimmer. Kekse essen wir auch. Das Telefon klingelt. Die Mutter von Klaras Freundin. Klara kann gern nächsten Freitag zu ihnen. Gut, sage ich. Wir holen Klara dann ab. Klara freut sich. Uli kommt nach Hause. Der Pfleger verabschiedet sich. Zusammen essen wir Fisch mit Süßkartoffeln zum Abendbrot. Die Süßkartoffeln schmecken mir nicht. Klara auch nicht.

Zusammen schauen wir Kinderfernsehen. Klara schläft heute bei uns. Uli liest ihr vor. Macht ein Hörspiel an. Ich halte meinen Josef. Lege ihn auf meine Brust. Zusammen atmen wir. Ich spüre, wie er sich von Atemzug zu Atemzug immer mehr entspannt. Seine Arme und Hände ganz locker werden. Seine Augen zufallen. Schlaf, mein Josef. Schlaf.

Um 21.00 Uhr klingelt es. Die Schwester. Ich lege Josef vorsichtig ins Bett. Er schläft weiter. Dann gehen wir ins Bett. Murmeln im Schlafzimmer. Wie lange halten wir es so aus?

Um 3.00 Uhr pumpe ich Milch ab. Bringe sie in die Küche. Stelle die Milch in den Kühlschrank. Schaue nach Josef. Er schläft. In seinem Bett. Immer noch. Alles gut? Ja.