Um 6.30 klingelt der Wecker.

Ich pumpe Milch ab. Heute ist es trüb draußen. Ich pumpe Milch ab. Gehe ins Bad. Wasche mich. Gehe ins Wohnzimmer. Josef liegt im Arm der Schwester.

Seine Atmung. Seine Atmung ist ganz schlecht. Er zieht beim Einatmen und Ausatmen. Scheint kaum Luft zu bekommen. Herzfrequenz 170. Sauerstoffsättigung 98. Ich nehme ihn sofort. Frage, was ist passiert? Sie sagt, er ist gerade obstruktiv geworden. Von einem Moment zum anderen. Hast du abgesaugt, frage ich. Ja, sagt sie.

Ich sage ihr, bereite die Inhalation vor. Mit Salbutamol und Atrovent. Bitte. Ich inhaliere Josef. Es wird nicht besser. Uli kommt zu uns. Ich gebe Josef ein Zäpfchen. Rectodelt. Halte ihn. Lege ihn mit dem Kopf nach unten über meine Knie. Nehme seine Arme nach vorn. Damit er besser Luft bekommt. Dann geben wir ihm Sauerstoff.

Die Schwester hat sich schon längst verabschiedet. Ist verschwunden. Hat ja Feierabend. Hat noch gesagt, wir machen das schon. Dann war sie weg.

Uli nimmt Josef. Ich rufe das SAPV-Team an. Berichte. Die Palliativschwester sagt, wir kommen. Sind bald da. Wir können Josef ruhig noch einmal inhalieren. Mit Salbutamol. Bis er besser Luft bekommt. Machen wir, sage ich. Machen wir.

Klara schaut fern. Es ist ja Wochenende. Ich nehme Josef wieder. Lege ihn über meine Knie. Der Sauerstoff steht neben mir. Diese riesige Tonne. 2 Liter bekommt Josef. Das Atmen geht nun leichter. Er sieht nicht gut aus, mein Josef. Ganz blass. Erschöpft.

Uli deckt den Frühstückstisch. Wir frühstücken. Josef auf mir. Mit der Tonne in der Küche. Für Klara. Ein wenig Normalität. Keine Angst verbreiten.

Um 11.00 Uhr klingelt es. Die Schwester kommt.

Um 12.15 Uhr klingelt es. Das SAPV-Team. So froh darum. Sind da. Die Ärztin hört ihn ab. Den Josef. Viel Sekret sagt sie. Sehr viel. Deutlich mehr als sonst. Setzt Medikamente an. Prednisolon. Sollen Chloralhydrat geben. Damit sich Josef beruhigt. Josef inhalieren. Mit Salbutamol. Bis die Lunge frei ist.

Die Ärztin zeigt Dehnlagerungen an Josef. Für die Atmung. Ich erzähle von der Osteophatin. Gestern. Es war zu viel. Wahrscheinlich zu viel. Vorsichtig müssen wir mit Josef sein. Immer vorsichtig. Aufpassen, mein Josef. Wir müssen besser aufpassen. Wachsamer sein. Geht das denn? Können wir noch wachsamer sein?

Die Ärztin und die Palliativschwestern sind lange da. So lange, bis wir uns sicher fühlen. Mit Josef zu Hause. Mit dem Plan, was wir machen können, wenn es ihm schlecht geht. Josef schläft ein. Seine Atmung ist deutlich ruhiger im Schlaf. Wie er das nur macht, der Josef?

Herzfrequenz 129. Sauerstoffsättigung 92. Wir gehen raus. Eine Feldrunde. Mit Klara. Laufen, laufen und laufen. Um zu begreifen. Diese Krisen. Das ist Josef. Gehören dazu. Wir müssen besser aufpassen, Uli. Sage ich. Besser aufpassen. Können wir das? Besser aufpassen? Geht das überhaupt? Im Leben. Wenn man immer aufpasst, passiert einem dann nichts? Ist das so? Können wir das Schicksal bestimmen? Sind wir allmächtig?

Nein. Verdammt noch mal. Nein. Wir können es nicht. Wir können nur aufpassen. Nichts über uns ergehen zu lassen, dass nicht passt. Das sich nicht gut anfühlt. Direkter sein. Klarer sein. Darauf können wir aufpassen. Das wir klar sind. In dem, was wir für Josef wollen. Und für uns wollen.

Zu Hause. Josef schläft. Die Schwester ist ganz konzentriert bei Josef. Sitzt neben ihm. Ich pumpe Milch ab. Uli räumt den Geschirrspüler aus. Normalität. Etwas Normalität. Josef wird wieder wach. Seine Atmung ist wieder schwerer. Er wird von der Schwester inhaliert.

Um 17.00 Uhr verabschieden wir sie. Zusammen essen wir Abendbrot. Schauen Kinderfernsehen. Josef liegt in meinem Arm. Mit der Sauerstoffbrille in der Nase. Die Sauerstofftonne wandert immer mit. Durch die Wohnung. Immer wieder sauge ich Josef ab. Gebe ihm Tee. Etwas Muttermilch. Die Medikamente. Alles nach Plan. Alles nach Plan, mein Josef. Alles nach Plan. Uli bringt Klara in unser Bett. Liest ihr vor. Macht ihr das Hörspiel an. Räuber Hotzenplotz.

Um 21.30 klingelt es. Die Schwester. Josef liegt auf meinen Knien. Den Kopf nach unten. Sauerstoffbrille in der Nase. Er schläft. So friedlich. Gegen 22.00 Uhr lege ich ihn in sein Bett. Herzfrequenz: 112. Sauerstoffsättigung 97. Wir gehen ins Bett. Ich schlafe unruhig.

Um 3.00 Uhr pumpe ich Milch ab. Josef schläft. Bekommt nur noch einen halben Liter Sauerstoff. Herzfrequenz: 123. Sauerstoffsättigung: 97. Alles gut? Ja. Ich gehe in die Küche. Stelle die Milch in den Kühlschrank. Gehe ins Bett. Schlafe.