Tauftag, lieber Josef.

Die Großeltern sind da. Klara fragt, was sie anziehen darf. Was hübsches, liebe Klara. Du darfst dich hübsch machen. Uli und ich fahren vor. Kaufen Kuchen. Der Bäcker hat am Sonntang Vormittag auf. Zum Frühstücksbrötchen und Sonntagskuchen kaufen. Milch und Kaffee nehmen wir von zu Hause mit.
Ankommen in der Klinik. Ruhig ist es. Wir klingeln. Gang runter. Dann rechts. Sachen in den Schrank. Hände desinfizieren. Milch in den Kühlschrank. Wie war die Nacht, Schwester? Unverändert. Am Morgen hatte Josef einen Sauerstoffsättigungsabfall. Hat sich wieder erholt. Viel Sekret hat er. Sonst ist alles unverändert. Gut. Sie nimmt mir den Kuchen ab und den Kaffee. Wir bereiten alles vor, sagt sie. Gehen Sie zu Josef. Ja. Guten Morgen, mein lieber Josef. Bei dir stehen. Bei dir sitzen. Dich auf den Schoß nehmen. Die Schwester fragen, können sie mir helfen? Mit dem Beatmungsschlauch und den Zugängen? Damit nichts verrutscht, wenn Josef auf meinem Schoß liegt. Ja. Über Josefs Bett wurde ein Stern gehangen. Josef steht darauf. Ein silbergrüner Josefstern. Mir laufen die Tränen. So schön ist das.
Die Seelsorgerin kommt mit der Taufschale. Unsere Freunde kommen. Wir holen sie aus der Notaufnahme ab. Umarmungen und Worte. Gehen die Treppe rauf. Den Gang bis zur Schleuse. Klingeln. Gehen durch die Schleuse. Den Gang runter. Rechts. Sie schließen ihre Sachen in den Schrank. Desinfizieren ihre Hände. Ich führe sie zu Josef. Tränen. Bei uns allen Tänen. Ich sage, laßt uns ins Elternzimmer gehen. Raum für Worte schaffen. Dort. Nicht hier bei Josef. Im Elternzimmer spreche ich darüber. Über eine Krankheit, die mit dem Leben nicht zu vereinbaren ist. Worte. Kommen nicht an bei mir. Ich spreche darüber und sie erreichen mich selber nicht. Diese Worte über das Sterben und das mit dem Leben Unvereinbare. Berührungen und Trost. So wohltuend. Gleichzeitig habe ich das Gefühl vor Schmerz zu zerfallen.
Die Schwester bereitet alles vor. Sie deckt den Tisch in Josefs Zimmer. Kocht Kaffee. Tee. Die Taufschale wird neben Josefs Bett aufgestellt. Lichterketten angemacht. Gemütlich und weich soll es sein. In dem Zimmer auf der Intensivstation. Die Großeltern, Ulis Schwester und Klara kommen. Unsere Geburtsnachtsärztin kommt extra. Die Frühdienstschwester bleibt noch. Bin gerührt und bedanke mich. Immer wieder Danke sagen. Für das Mitaushalten. Danke.
Josef auf meinem Schoß. Wir singen Lieder. Uli hat den Taufspruch ausgesucht."Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du HERR, hilfst mir, dass ich sicher wohne." Ich halte Josef und weine, weine, weine, weine. Festhalten, lieber Josef, kann ich dich nicht.
Schlaf gut, lieber Josef. Wir fahren nach Hause. Jetzt. Wir verabschieden uns von unseren Freunden, der Ärztin und der Station. Wir entlassen sie und uns in diese regnerische und stürmische Nacht. Bis morgen, lieber Josef, bis morgen.