Früh fahren wir los.

Klara wird von den Schwiegereltern in die Schule gebracht. Sie fahren dann nach Hause. Wir stehen lange im Stau. Berufsverkehr. Schnell in die Klinik laufen. Klingeln. Gang runter. Rechts. Vertraut alles. Wie eine Insel. Hier fühle ich mich sicher. Irgendwie. Lieber Josef, wie war die Nacht? Stabil war die Nacht. Er bewegt sich mehr. Streckt die Arme und Beine. Ah. Guten Morgen, mein Josef. Guten Morgen. Ich darf dich umziehen. Etwas waschen. Versorgen. Die Sensoren wechseln. Muttermilch sondieren. Es tut mir gut.
Der Oberarzt möchte mit uns sprechen. In den Raum gehen wir. Den Besprechungsraum. Eine Schwester kommt mit. Über Josef sprechen. Josef gehe es unverändert. Ab und zu atme Josef allein. Reflexe seien nicht auslösbar. Neurologisch sei Josef hoch auffällig. Schwerst geschädigt. Was tun? Er nennt wohl überlegte drei Optionen: 1. Josef bleibt beatmet. 2. Josef kommt von der Beatmung und wir beobachten was er macht. Er wird dann aber nicht mehr beatmet. Auch wenn es ihm schlechter geht. Wenn er es nicht schafft allein zu atmen. 3. Josef wird von der Beatmung genommen. Sollte es ihm schlechter gehen, wird er wieder beatmet.
Einatmen. Ausatmen. Herr Oberarzt. Josef soll nicht am Leben gehalten werden, nur damit wir den Schmerz nicht spüren. Den Schmerz. Josef soll nicht leben, nur um uns zu trösten. Wir legen es in Josefs Hände. So schwer ist das. Herr Oberarzt. Leise Worte. Ruhige Worte. Bedrückt mein Herz. Josef soll nicht leben, wenn es nicht geht. Er soll nicht am Leben gehalten werden nur damit ich mit ihm kuscheln kann. Wir wissen darum, dass seine Hirnschädigung nicht zu heilen ist. Das wissen wir. Nur wann? Wann die Beatmung abstellen? Wie können wir entscheiden, wann wir Josef sein Leben in die Hand geben? Lassen sie sich Zeit, sagt der Oberarzt. Wir drängen Sie nicht. Einatmen und Ausatmen.
Wir gehen zu Josef. Setzen uns an sein Bett. Uli links von Josef. ich rechts. Die Sonne scheint draußen. Ein wenig scheint sie. Wir machen die Lichterkette in Josefs Zimmer an. Ich pumpe Milch ab. Wie lange noch? Uli liest Josef vor. Die Elternberatung kommt. Brauchen sie was? Danke. Danke, dass sie nach uns schauen. Das reicht schon. So schwer. So schwer. Ich kuschel mit Josef. Die Schwester reicht ihn mir. Mit seine Beatmung. Josef liegt auf mir. Mit seinen geschlossenen Augen. Im ewigen Schlaf.
Nach Hause müssen wir. Heute etwas früher. Zu Klara, lieber Josef. Bis morgen. Schlaf gut, ja.