Es ist Freitagmorgen.

Wir können es immer noch nicht fassen. Hat der Oberarzt gestern wirklich gesagt, Josef darf nach Hause? Wie können wir Josef nach Hause holen? Wie soll das funktionieren? Er muss doch abgesaugt werden. Tag und Nacht. Sonst erstickt Josef. Sollen wir uns abwechseln mit den Nächten? Wie war das mit den Pflegediensten gemeint?
Ich rufe in der Klinik an. Wie geht es unserem Josef? Stabil. Es war viel Sekret abzusaugen. Geschlafen hat er. Seine Augen waren in der Nacht vorwiegend geschlossen. Wir kommen. Wir fahren gleich los und kommen in die Klinik. Heute sind die Straßen voller. Die Menschen scheinen aus dem Weihnachtsschlummer erwacht zu sein. Trotzdem kommen wir gut durch. Wir gehen durch die Notaufnahme. Die Treppe rauf. Den Gang entlang. Klingeln. Kurzes Warten an der Schleuse. Gang runter und dann rechts. Wir schließen unsere Sachen ein. Desinfizieren unsere Hände. Ich stelle die Milch in den Kühlschrank. Klara ist heute mit dabei. Josef, wir sind alle da. Zusammen mit Klara ziehen wir Josef um. Waschen ihm den Schlaf aus dem Gesicht. Abwechselnd kuscheln wir mit Josef. Nebenbei hören wir Hörspiele. Heute wollen wir mit Josef draußen eine größere Runde wagen. Der Kinderwagen steht am Eingang der Station bereit. Nur wir müssen uns trauen. Wir trauen uns heute. Eine kleine Runde draußen. Wir ziehen Josef vorsichtig an. Mit dem kleinen Anzug, den Klara schon anhatte. Josef bekommt eine Mütze auf seinen Kopf. Hätte er nicht die Nasensonde, würde man nicht sehen, dass er so schwerst krank ist. Zusammen mit der Schwester legen wir Josef vorsichtig in den Kinderwagen.
Dann fahren wir mit ihm los. Links. Dann den Gang runter. Durch die Schleuse. Wir nehmen den Fahrstuhl. Eine Etage runter. Durch die Notaufnahme. Aus der Klinik. Wir schieben Josef den Gehsteig runter. Überqueren die Straße. Wir sind mit Josef draußen! Josef spürt die Luft! Winterluft, mein lieber Josef. Winterluft! Wir fühlen uns ganz berauscht von diesem Erlebnis. Josef ist ganz ruhig. Schaut. So schön. Wir sind gemeinsam an der Luft. Wir bleiben nicht lange. Kehren schnell wieder um. Wir fürchten, Josef sammelt zu viel Sekret an. Wir können ihn ja nicht absaugen. Durch die Notaufnahme fahren wir zum Fahrstuhl. Fahren eine Etage hoch. Klingeln. Wir sind es! Josef, seine Schwester und seine Eltern! Wir fahren den Gang runter. Rechts. Übergeben Josef der Schwester. Schließen unsere Sachen in den Schrank. Desinfizieren unsere Hände und gehen zu Josef. Wir ziehen in aus. Küssen und küssen ihn. Am Montag (30.12.) wird die Elternberatung da sein, lieber Josef. Dann besprechen wir, wie du nach Hause kommen kannst.
Schlaf gut, lieber Josef. Wir fahren nach Hause. Ganz erfüllt von dem Erlebnis. Wir zusammen, zu viert waren spazieren. Welch ein Geschenk. Zu Hause stellen wir unseren Rechner an. Rufen die Seite vom Babywatch auf. Sehen Josef. Und stellen den Rechner neben unser Sofa. Es fühlt sich so an, als wäre Josef fast schon zu Hause.