Samstag ist heute.

Besuch bekommen wir heute in die Klinik. Gleich früh rufe ich in der Klinik an. Ich bin nicht mehr so aufgeregt vor den Anrufen. Hier, die Mama von Josef. Wie war seine Nacht? Alles stabil. Josef hat heute Nacht seinen Kopf gedreht und lag auf seiner Nase. Der Alarm ging an. Also kein Problem. Josef hat seinen Kopf gedreht! Er kann seinen Kopf drehen. Unglaublich! Was Josef zeigt. Heute fahre ich früh allein los. Uli und Klara werden gegen Mittag nachkommen.
Es scheint heute die Sonne. Schön winterkalt ist es. Ich laufe durch die Notaufnahme. Die Treppe rauf hüpfe ich fast leichtfüßig. Glücklich bin ich. Ich klingle. Gehe durch die Schleuse den Gang runter, dann rechts. Ich schließe meine Sachen ein. Desinfiziere meine Hände. Stelle meine Milch in den Kühlschrank. Gehe an zwei Inkubatoren vorbei. Dann in Josefs Zimmer. Die Sonne strahlt in sein Zimmer. Mein Josef, siehst du die Sonne? Vielleicht kitzelt sie dir heute noch die Nase? Ich ziehe Josef um. Liebkose ihn. Die Schwester ist ab und zu im Zimmer. Sie gibt mir ein ausgedrucktes Blatt mit Informationen vom Kinderhospiz Sonnenhof. Sie erzählt ein wenig darüber. Vielleicht wäre das für Josef? Aber Josef lebt doch, dröhnt es in mir. Stirbt er jetzt doch? Gleich? Weiß ich etwas nicht? Verwirrt bin ich. Uli und Klara treffen gegen Mittag ein. Zum Glück. Ich spreche mit Uli darüber. Ganz leise. Wir können uns nichts vorstellen unter Kinderhospiz. Außer sterbende Kinder. Ist Josef doch nicht stabil gerade? Wir haben viele, viele Fragen Und können sie uns selbst nicht beantworten. Wir hoffen auf Antworten am Montag, wenn die Elternberatung da ist.
Am Nachmittag kommen Freunde von uns. Schön, euch zu sehen. Hier ist unser Josef! Er hat nur noch einen Schlauch. In der Nase. Die Magensonde. Wir ziehen Josef wieder an. Legen ihn in den Kinderwagen und schieben ihn schon fast selbstverständlich aus der Klinik. Eine größere Runde wird es heute. Als wir zurück sind, trinken wir Tee, essen die letzte Plätzchen von Ulis Patentante. Wir verabschieden unsere Freunde und fahren nach Hause. Nach Hause, lieber Josef. Zu Hause stellen wir den Rechner an und schauen, wie Josef in seinem Bett liegt. Meist schläft er. Ab und zu sehen wir Hände auf Josef ruhen. Die Hände der Krankenschwestern.
Schlaf gut, Josef!