431 | Der Wecker klingelt. Es ist 6.00 Uhr.

Der Wecker klingelt. Es ist 6.00 Uhr. Klara schläft. Sie atmet ganz gleichmäßig. Sie fühlt sich nicht heiß an. Kein Fieber. Zum Glück. Kein Fieber. Ich stehe auf. Gehe ins Bad.

Aus dem Wohnzimmer höre ich Josef. Seine Atmung ist ganz laut. Sie zieht. Seine Atmung. Mein Herz schlägt gleich schneller. Ich wasche mich. Gehe ins Wohnzimmer. Josef liegt im Arm der Schwester. Seine Augen fallen wieder zu. Sind halb offen. Ich küsse ihn auf die Stirn. Streichele seine Locken.

Frage die Schwester nach der Nacht. Bis 5.00 Uhr schlief Josef durch. Seine Vitalwerte waren sehr gut. Nun klingt Josef obstruktiv. Inhaliert wurde Josef. Cortison bekam er auch. Das Sekret ist sehr fest und zäh. Kein Fieber. Einatmen und Ausatmen. Gut, sage ich. Gut. Wirklich? Ist es wirklich gut, denke ich.

Ich gehe in die Küche. Setze Wasser auf. Für Tee und Kaffee. Schaue aus dem Fenster. Versuche mich zu konzentrieren. Einen Punkt zu finden, den ich fixieren kann. Der mir Halt gibt. Zu viel Veränderung. Gerade.

Uli kommt. Seine Schritte. Ich höre sie. Erkenne ihn sofort. Am Gang. Am Knarren des Fußbodens. Er spricht mit der Schwester. Ich gehe zu ihnen. Uli hält Josef im Arm. Die Schwester spült die Inhalette aus. Verabschiedet sich. In der Umzugsnacht kommt sie noch einmal zu uns.

Uli legt Josef auf seinen Bauch. Josef schläft ein. Angekuschelt an seinen Vater. Wie schön. Wie schön das ist.

Ich gehe zu Klara. Sie schaut fern. Bringe ihr Tee und Cornflakes. Heute möchte sie aufstehen. Morgen unbedingt in den Hort. Eine Abschiedsparty wird es für sie geben. Ich rufe im Hort an. Spreche alles ab. Kuchen werden wir mitbringen. Luftballons. Kleine Geschenke. Uli legt Josef wieder in sein Bett.

Um 9.00 Uhr klingelt es. Die Schwester. Josef wird wach. Genau in dem Moment. Ich nehme ihn aus seinem Bett. Küsse ihn. Inhaliere Josef. Sauge ihn ab. Ich ziehe Josef vorsichtig um. Gebe ihm seinen Morgenbrei. Dann gebe ich Josef der Schwester. Sie kuschelt ihn ein. Hält ihn in ihrem Arm. Sie wirkt angespannt. Josef auch.

Uli, Klara und ich. Wir fahren los. Müssen einen Kühlschrank kaufen und einen Geschirrspüler. Für die neue Wohnung. Beeilen uns, sagen wir. In dem Laden. Fühlen uns verloren. Müssen Entscheidungen treffen. Überlegen. Hin und her. Entscheiden uns. Fahren wieder los. Nach Hause.

Sind um 12.00 Uhr da. Josef liegt in seinem Bett. Er schläft. Die Schwester. Ist angestrengt. Sagt, Josef war sehr unruhig. Sie hat ihn inhaliert. Irgendwann war es besser. Jetzt schläft er. Dann sagt sie, ich fühle mich besser, wenn einer von euch hier ist. Okay, sage ich. Okay.

Uli nimmt das alte Sofa auseinander. Mit einer Axt zertrümmert er das Sofa. Mit einer Axt. Irgendwo muss sie ja hin. Die Energie. Uli trägt alles ins Auto. Fährt allein zum Sperrmüllhof. Ich bleibe zu Hause. Bei Josef. Bei Klara. Bei der Schwester.

Josef wird wach. Ich inhaliere Josef. Sauge ihn ab. Lege ihn auf meine Knie. Zeige der Schwester, was Josef momentan gut tut. Sie ist aufmerksam. Es tut ihr gut, dass ich da bin. Sie nicht allein ist. Mit Josef.

Klara hört Hörspiel. Malt dabei in ihrem Zimmer. Ich lege den schlafenden Josef wieder in sein Bett. Uli kommt. Hat Zutaten für den Kuchen mitgebracht. Ich fange an zu backen. Für Klara.

Uli fährt zum Sperrmüllhof. Hin und her. Schmeißt weg. Alte Sachen. Einfach weg.

Die Schwester. Ruft. Anne, komme bitte mal. Ich gehe zu ihr. Josef liegt in seinem Bett. Ganz angespannt. Seinen Kopf dreht er nach rechts. Er krampft. Ich nehme ihn aus seinem Bett. Küsse ihn.

Frage Josef, was ist los, mein Bär? Ich lege ihn auf meine Knie. Sammele seine Armen und Beine ein. Lege sie auf seinen Körper. Wie eine kleine Kugel. Ich drücke den Punkt zwischen seinen Augen und seiner Nase und seinem Mund. Es hilft nicht. Die Schwester holt das Notfallmedikament. Ich gebe es ihm. Tee hinterher. Dann entspannt sich Josef.

Ich küsse ihn. Lege ihn in sein Bett. Josef atmet ganz ruhig. Die Schwester. Erschrocken. Sie spült die Inhalette aus. Ich verabschiede sie. Keine Kraft sie zu beruhigen. Keine Kraft, sie zu trösten.

Uli kommt. Ist geschafft. Geschafft und glücklich.

Zusammen essen wir Abendbrot. Josef schläft. Dann wird er wach. Uli inhaliert Josef. Saugt ihn ab. Ich gebe Josef seinen Abendbrei. Zusammen schauen wir fern. Alle zusammen in unserem Bett. Das ist schön. Ich ziehe Josef um. Uli legt sich Josef auf seinen Bauch. Vater und Sohn. Bauch an Bauch. Wie schön.

Um 21.30 Uhr klingelt es. Die Schwester. Uli legt Josef in sein Bett. Herzfrequenz 117. Sauerstoffsättigung 94. Wir gehen ins Bett. Schlafen.

Veröffentlicht am: 03. 02. 2019

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