Ich bin wach. Ich schalte den Wecker aus.

Pumpe Milch ab. In meinem Kopf kreisen die Gedanken. Hätte ich da bleiben sollen? An diesem Wochenende? Hätte ich verhindern können, das. Hätte. Hätte. Hätte.

Ich stehe auf. Gehe ins Bad. Wasche mich. Einatmen und Ausatmen. Das Atmen nicht vergessen. Gehe ins Wohnzimmer. Josef schläft. Herzfrequenz 137. Sauerstoffsättigung 91. Die Schwester inhaliert ihn. Ich gehe in die Küche. Stelle die leeren Milchflaschen in den Geschirrspüler und die vollen in den Kühlschrank. Setze Wasser auf. Für Tee und Kaffee. Decke den Frühstückstisch.

Klara kommt in die Küche. Cornflakes, sagt sie. Guten Morgen, sage ich. Uli kommt zu uns. Ich gehe wieder ins Wohnzimmer. Frage die Schwester nach der Nacht.

Sie sagt, Josef war sehr unruhig. Die Vitalwerte schwankten sehr. Ab 4.00 Uhr brauchte Josef kein Sauerstoff mehr. Nun schläft er. Sie spült die Inhalette aus. Ich streichele Josef. Sein Kopf ist ganz verschwitzt. Klara geht los. Los in die Schule. Ich winke ihr nach, bis ich sie nicht mehr sehe. Die Schwester verabschiedet sich. Uli verwandelt das Schlafzimmer in ein Arbeitszimmer.

Ich rufe das SAPV-Team an. Erzähle von der Situation. Sage, Josef. Seine Vitalwerte schwankten. Kein Fieber. Sekret ist etwas zäh. Die Schwester am Telefon sagt, wir sollen öfter inhalieren. Schmerzmittel geben. Am besten Ibuprofen. Gut, sage ich. Später wollen wir noch einmal telefonieren.

Josef wird wach. Ich nehme ihn aus seinem Bett. Ganz behutsam. Ich küsse ihn. Halte ihn, meinen Josef.

Um 8.00 Uhr klingelt es. Die liebe Physiotherapeutin. So gut. Sie ist da. Ich ziehe Josef vorsichtig aus. Dann begrüßt sie ihn. Meinen Josef. Spürt nach dem Sekret in der Lunge. Sagt, sie spürt kein festgesetztes Sekret. Ich bin erleichtert. Erst einmal erleichtert. Josef macht gut mit. Trotz der unruhigen Nacht. Ich tanze um den Wickeltisch. Küsse Josef immer wieder. Immer wieder Küsse, mein Josef.

Dann verabschiedet sich die liebe Physiotherapeutin. Nimmt etwas mit. Von den Bedenken. Von der Schwere, die sich eingeschlichen hat. Ich gebe Josef seine Morgenmilch. Dabei schlummert er immer wieder ein.

Um 9.00 Uhr klingelt es. Unsere Haushaltshilfe. Sie öffnete die Fenster. Den Sommer rein lassen, sagt sie. Ich schließe die Küchentür. Frage sie, ob sie mir vielleicht helfen kann. Uli hat Geburtstag. Ich plane eine kleine Feier am Samstag. Weil wir doch nicht wissen, wie oft Uli mit Josef und uns feiern kann. Ob sie mir helfen kann. Bei der Vorbereitung. Uli darf nichts wissen. Ja, sagt sie. Natürlich. Wir besprechen, was vorbereitet werden soll. An dem Freitag. Uli ist am Freitag im Büro. Das trifft sich gut.

Um 10.00 Uhr klingelt es. Die Schwester. Ich erzähle von der Nacht. Sie sagt nicht viel. Ich erzähle von dem Telefonat mit dem SAPV-Team. Von dem Inhalationsplan. Gut, sagt sie. Notiert es in der Akte.

Ich lege Josef in sein Bett. Er schläft. Herzfrequenz 138. Sauerstoffsättigung 97. Gegen 12.00 Uhr wird Josef wach. Die Schwester inhaliert ihn. Saugt ihn ab.

Um 13.00 Uhr klingelt es. Die Logopädin. Sie ist beschwingt heute. Das ist schön. Sie legt sich alles zurecht. Legt Josef auf ihre Beine. Begrüßt ihn. Beginnt mit den Händen und Füßen. Arbeitet sich vor. Bis zu seinem Mund. Josef ist aufmerksam. Macht gut mit. Dann schläft er wieder ein. Ich gebe ihm seinen Mittagsbrei. Josef schläft. Schlaf, mein Josef. Schlaf.

Ich gehe los. Los in den Hort. Klara abholen. Ich hoffe inständig, dass die Schwester nichts macht. Mit Josef. Klara kommt mir im Hort entgegen. Sie springt und hüpft. Wir gehen vorn entlang. Zu Hause gibt es Apfelsaftschorle mit Strohalm. Wir sitzen auf der Terrasse. Josef schläft. Schläft immer noch. Dann wird er wach. Die Schwester inhaliert ihn. Saugt ihn ab. Zum Glück kann ich keine roten Streifen auf seinem Kinn sehen. Es ist gut gegangen.

Uli macht Feierabend. Die Schwester schicken wir nach Hause. Ich rufe das SAPV-Team an. Sage, ich glaube, es ist besser. Mit Josef. Zusammen essen wir Abendbrot. Auflauf gibt es. Klara isst Nudeln. Ich gebe Josef seine Abendmilch. Ganz vorsichtig lasse ich die Milch durch seinen Nasenschlauch fließen.

Zusammen schauen wir Kinderfernsehen. Uli bringt Klara ins Bett. Liest ihr vor. Macht ihr das Hörspiel an. Josef liegt auf mir. Entspannt sich. Mit jedem Atemzug. Einatmen und Ausatmen. Das ist schön. Ich lege Josef in sein Bett. Herzfrequenz 120. Sauerstoffsättigung 93.

21.30 Uhr klingelt es. Die Schwester. Um 3.00 Uhr pumpe ich Milch ab. Josef schläft. Alles gut? Ja. Ich gehe in die Küche. Stelle die Milch in den Kühlschrank. Ich gehe ins Bett. Schlafe.