Etwas geschlafen in der Nacht.

Milch abgepumpt. Möchte nicht mehr auf der Wochenbettstation bleiben. Die Schreie der neugeborenen Kinder anderer Mütter fühlen sich an wie Messerstiche. Suche Gespräche: Wie kann es gehen? Bei Josef sein, aber nicht hier auf dieser Station? Elternzimmer gäbe es nicht. Aber. Wir können in der Nähe der Klinik in ein Hotel. Das machen wir. Ulis Eltern sollen bei Klara sein. Erst einmal. Klara. Klara kommt mit unserer Freundin in die Klinik zum Mittag. Uli auch.
Der Frauenarzt sagt, ich kann entlassen werden. Die Gebärmutter bilde sich gut zurück. Solle mich trotzdem schonen. Möchte weiter Milch abpumpen. Bekomme ein Rezept dafür und eine Pumpe. Für drei Monate das Rezept. Meistens reiche das schon, meint die Vertreterin der Pumpenfirma. Was weiß sie schon?
Zu Josef nach dem Frühstück. So schön unser Junge. Sein Brustkorb hebt und senkt sich. Von der Beatmung. In der Nase zwei Schläuche. Am Kopf ein Zentralvenenkatheter. Kabel. Die leuchten. Schläuche. An der rechten Hand ein Zugang. Sein Daumennagel ist lang. Ich darf Josef nicht lange berühren. Er wird doch gekühlt.
Klara kommt. Holt mich mit unserer Freundin von der Wochenbettstation ab. Zu Josef kann sie noch nicht. Wir weinen und kuscheln uns aneinander. Nach Hause fahren. Schnell.
Zu Hause warten die Schwiegereltern. Schnell Sachen packen. Duschen. Besprechen, wie die nächsten Tage sein können. Telefonieren täglich. Schauen, wann Klara Josef sehen kann. Wann sie kommen können. Ein Bild von Josef unserer Klara gezeigt. Ihr gelassen. Das Bild von ihrem Bruder.
Zurück in die Klinik. Fühlt sich zerissen an. Klara dort. Wir hier. Gespräch mit der Oberärztin. Josefs Zustand sei schlecht. Er sei aber jetzt außer akuter Lebensgefahr. Wir müssen alle abwarten, was er macht. Was passieren wird, wenn er nicht mehr gekühlt wird.
Wir bleiben lange bei Josef. Heute. Anruf von der Hebamme der Geburtsklinik von Josef. Wie geht es ihnen, fragt sie. Wir warten, sage ich, wir warten. Die Hebamme sagt, wenn sie wollen können sie mit uns allen reden. Jetzt nicht, antworte ich. Danke. Jetzt nicht. Jetzt brauche ich die Kraft für hier und Josef. Sie sind tapfer, sagt sie. Das verstehe ich nicht. Tapfer sein. Abends ins Hotel. Ulis Telefonnumer ist auf der Neonatologie. Sie rufen an, wenn was ist. Schlaf gut Josef. Schlaf gut Klara. Wir schlafen traumlos.