Heute bin ich sehr früh aufgestanden.

Es ist noch dunkel draußen. Ich rufe in der Klinik an. Hier ist die Mama von Josef. Wie geht es ihm? Wie war seine Nacht? Gut war seine Nacht. Gut geschlafen hat er. Es war nicht so viel abzusaugen. Gut. Wir kommen. Gegen Mittag sind wir da. Ein wenig umräumen müssen wir vorher noch. Josef kommt doch nach Hause. Sehr bald. Ja.
Ich pumpe Milch ab. Decke den Tisch und wecke Uli und Klara. Wir frühstücken etwas hastig. So viel zu tun haben wir noch. Wir überlegen, wie wir unsere Wohnung umräumen können. Überlegen hin und her und treffen dann eine Entscheidung. Wir teilen das Wohnzimmer mit Schränken ab. Wichtig ist uns, dass wir als Familie eine Privatsphäre habe. Das geht nur, wenn die Pflege von Josef im vorderen Teil der Wohnung stattfindet.
Kommt man in unsere Wohnung, tritt man in einen kleinen Flur. Vom Flur geht links die Küche ab. Gegenüber von der Eingangstür befindet sich ein kleines Gästebad. Rechts befindet sich das Wohnzimmer. Es ist sehr, sehr groß. Durch das Wohnzimmer durch kommt wieder ein kleiner Flur. Von dort befindet sich links unser Schlafzimmer und rechts das Kinderzimmer von Klara. Geradeaus befindet sich unser Bad. Uli rückt als Raumteiler einen großen Schrank mitten in das Zimmer. Ein Sofa wird direkt neben die Wohnzimmertür gestellt. An der linken Wand steht das Kinderbett. Daneben Regale mit Kisten und der Wickeltisch. Ein kleines Schränkchen steht direkt unter dem Fenster gegenüber vom Sofa. Einen Sessel und ein Bettchen auf Rollen stehen noch im Josefbereich. Rechts neben der Wohnzimmertür haben wir ein Tisch gestellt und Stühle. Zum Sitzen. Unsere Bank steht direkt hinter dem Schrank. Davor unser großer Tisch. Ein kleineres Sofa befindet sich im anderen Teil des Wohnzimmers, außerdem ein Regal mit Büchern und ein Fernseher. Nachdem wir umgeräumt haben packe ich Sachen für Josef in den Wickeltisch. Sachen für meinen Josef. Mein nach Hause kommender Sohn. Ich bin schmerzhaft glücklich.
Gegen Mittag fahren wir in die Klinik. Wir parken direkt vor der Klinik. Gehen durch die Notaufnahme. Die Treppe rauf. Den Gang entlang. Klingeln. Gehen durch die Schleuse. Den Gang runter. Dann rechts. Wir schließen unsere Sachen ein. Desinfizieren unsere Hände. Ich stelle die Milch in den Kühlschrank. An den beiden Inkubatoren gehen wir vorbei in Josefs Zimmer. Josef. Wir sind da. Ich küsse ihn. Heute ist schon Mittag. Wir sind aber da, lieber Josef. Als meine Hände warm sind, nehme ich Josef aus seinem Bett. Halte ihn. Setze mich und lege ihn auf meinen Schoß. Klara möchte heute malen. Sie setzt sich an den kleinen Tisch in Josefs Zimmer und malt.
Uli und ich reden und reden. Wie soll es gehen, wenn Uli wieder arbeitet? Seine Elternzeit wird in zwei Wochen vorbei sein. Werde ich es allein schaffen? Uli beschließt mit seinem Arbeitgeber zu sprechen. Vielleicht kann er zwei oder drei Tage von zu Hause aus arbeiten. Ich muss einen Antrag für Elterngeld stellen. Am Besten heute noch fertig machen. Den Sauerstoffmann müssen wir anrufen! Montag sagt Uli, gleich Montag früh. Gut. Aufschreiben. Alles aufschreiben. Damit wir nichts vergessen von den wichtigen Dingen. Die in unserem früheren Leben nicht wichtig waren. Nicht existiert haben. Ach, die Pflegedienstleitung. Wollten wir anrufen. Fragen wegen den Nasensonden. Ob die Pflegekräfte auch Nasensonden wechseln können. Schreib es auf! Das ist wichtig. Mit dem Hort muss ich sprechen. Unbedingt. Sprechen über Josef und dass sie uns nicht aus dem Weg gehen brauchen. Das ist auch wichtig. Keiner braucht Angst vor uns zu haben. Die Schwester bringt die Milch. Wollen Sie sondieren? Ja. Gern. Langsam lasse ich die Milch durch den Nasenschlauch in Josefs Bauch fließen. Deine Mittagsmilch, liebster Josef. Danach verabschieden wir uns. Heute können wir nicht so lange bleiben, lieber Josef. Es ist noch Einiges vorzubereiten. Du kommst doch nach Hause! Wir packen schon einige Kartons mit Kathetern und die Standabsauge in den Kofferraum. Die mobile Absauge lassen wir bei Josef. Auch den Monitor. Das brauchen wir ja für die Heimfahrt in drei Tagen!
Zu Hause räumen wir weiter. Ich putze die Wohnung. Zum Abendbrot gibt es Brot. Mehr schaffen wir nicht. Der Rechner ist die ganze Zeit an. Josefkino. Zwischendurch lesen wir ein Zettel: Ich kuschel mit der Schwester. Mir laufen die Tränen vor Rührung. Danke, ihr lieben Schwestern.
Erschöpft schlafen wir ein. Alle sind wir erschöpft. Morgen möchte ich zum Seminar fahren. Mich sehen lassen bei meiner Ausbildung zur Kinderpsychotherapeutin. Vorher habe ich allen geschrieben. Den Seminarteilnehmern, dem Leiter, den Dozenten. Erzählt von Josef und uns. Gebeten, sie mögen mit mir sprechen. Mir bitte nicht aus dem Weg gehen.
Schlaf gut Josef! Schlaf gut Klara!