Gleich am Morgen rufe ich in der Klinik an.

Die Mama von Josef am Telefon. Wie war seine Nacht? Er hatte längere Wachphasen. Viel Sekret war abzusaugen. Stabil ist Josef. Gut. Wir kommen nach dem Frühstück in die Klinik. Klara hat noch Ferien. Heute kann sie wieder zu Freunden. So langweilig ist ihr oft in der Klinik und das Hin-und-Her-Fahren nervt sie. Keine Ruhe zur Zeit. Keine Ruhe. Wir frühstücken und bringen Klara zu Freunden. Nein, heute haben wir keine Zeit für einen Kaffee. Danke für die Frage. Heute Abend holen wir Klara wieder ab. Laßt euch Zeit, sagen sie.
Wir kommen gut durch. Die Stadt ist noch relativ ruhig. Grau ist es heute. Wir finden einen guten Parkplatz nah an der Klinik. Durch die Notaufnahme gehen wir durch. Die Treppe hoch. Den Gang entlang. Wir klingeln und gehen durch die Schleuse. Den Gang runter und dann rechts. Wir schließen unsere Sachen ein. Desinfizieren unsere Hände. Ich stelle meine Milch in den Kühlschrank. An den zwei Inkubatoren vorbei gehen wir in das Zimmer von Josef.
Guten Morgen, mein lieber Josef. Er schläft noch. Ich warte bis meine Hände warm werden und berühre ihn dann ganz sacht. Ich küsse seinen Kopf. Den schönen, schönen Kopf. Langsam wird er wach. Die Schwester kommt zu uns. Heute möchte sie uns zeigen, wie das mit dem Absaugen funktioniert. Schließlich müssen wir es lernen. Gegen Mittag wird die Physiotherapeutin kommen. Josef soll Atemtherapie bekommen. Gut. Die Physiotherapeutin sei ganz nett und könne uns noch einiges zum Handling zeigen. Gut. Josef ist nun wach. Die Schwester zeigt uns das Absaugen. Es wird ein Katheter auf das Absaugventil gesteckt. Dann werden die Löcher vom Katheter zugehalten, d.h. der Schlauch wird geknickt. Die Absauge wird angeschalten. Dann muss geschaut werden, wieviel Druck sich aufbaut. Er darf eine bestimmte Höhe nicht übersteigen, weil sonst die Schleimhäute von Josef verletzt werden könnten. Wenn der Druck richtig eingestellt ist, führt man den Schlauch, ohne Druck in die Nase. Fädelt den Schlauch hinten etwas ein. Dann baut man den Druck auf, indem man am Ende des Katheters ein Loch zuhält und zieht langsam den Schlauch aus der Nase. Ähnlich wird es im Mund und im Rachenraum gemacht. Uli traut sich. Ich noch nicht. Wir dürfen jetzt absaugen. Holen aber jedesmal eine Schwester dazu. Bitte schauen sie, ob wir es richtig machen. Mit unserem Josef.
Nach dem Absaugen waschen wir Josef. Ziehen ihn um. Uli legt mir Josef auf den Schoß. Wir sind gaz leise. Ab und zu hören wir die Alarme der anderen Kinder. Gegen Mittag kommt die Physiotherapeutin. Sie fragt, darf ich den Josef nehmen? Ja. Sie legt ihn vorsichtig auf den Rücken auf ihre angewinkelten Knie. Schaut sich ihn an. Spricht mit ihm. Fühlt seinen Körpertonus. Fühlt seine Atmung. Unterstützt ihn. Spricht mit uns. Über uns und über Josef. Mir tut es gut. Ich glaube Josef auch. Nach der Physiotherapie schläft Josef ein. Gut, lieber Josef, schlaf erstmal. Danach werden wir dir deine Milch über die Magensonde geben. Mit etwas Verzögerung geben wir Josef langsam seine Milch. Eine Stunde brauchen wir. Ganz vorsichtig lassen wir Josef die Milch in seinen Magen laufen. Am Nachmittag gehen wir spazieren. Wir ziehen Josef an. Legen ihn in den Kinderwagen. Der am Ausgang der Station bereit steht. Wir fahren mit ihm ein kleines Stück weiter auf dem Klinikgelände. An diesem grauen Januartag. Ein bißchen Freiheit, lieber Josef. Als wir zurück sind, ziehen wir Josef vorsichtig aus. Legen ihn in sein Bett. Er schläft. Erschöpft vom Tag. Wir küssen ihn. Beide küssen wir ihn. Lieber Josef, wir fahren los, zu deiner Schwester. Schlaf gut.
Wir holen Klara ab. Zu spät für Gespräche. Zu erschöpft wir alle. Danke. Danke, das ihr für uns und Klara da seid.
Zu Hause stellen wir den Rechner an. Josefkino. Ich pumpe Milch ab. Dann schlafen auch wir.