400 | Samstag, der 3. Januar 2015

Es ist 7.00 Uhr. Wir sind wach. Alle sind wir wach. Klara kuschelt sich an mich. Möchte gern noch hier bleiben. Hier im Kinderhospiz. Ich küsse sie. Sage, ich weiß. Montag ist wieder Schule, höre ich mich sagen. Als könnte das Klara trösten. Ich küsse sie noch einmal. Darf ich fernsehen, fragt sie. Ja, sage ich. Ja. Es sind doch Ferien.

Ich stehe auf. Gehe ins Bad. Wasche mich. Uli steht auf. Geht ins Bad. Dann gehen wir. Erst in den Gemeinschaftsraum. Holen uns einen Kaffee. Gehen den Gang entlang. Rechts.

Josef ist wach. Der Pfleger hält ihn im Arm. Sagt, Josef hat gut geschlafen. Inhaliert hat er schon. Viel Sekret. Josef halt. Er fragt, ob wir Josef baden wollen. Ja, sage ich.

Mit Josef im Arm lässt er die Wanne ein. Es ist schön, sie zusammen zu sehen. Der Pfleger spricht die ganze Zeit mit Josef. Sagt, mein Freund, zu ihm. Fragt ihn, welches Öl er denn heute gern in der Wanne hätte. Sagt zu Josef, deine Eltern trinken erst einmal einen Kaffee. Sie sind sonst nicht zu gebrauchen. Zwinkert uns zu. Es fühlt sich leicht an. Mit dem Pfleger. Gut. Gut und leicht. Einatmen und Ausatmen.

Ich nehme Josef. Ziehe ihn langsam aus. In der Zeit sprechen wir. Darüber, was in der Pflegeüberleitung stehen soll. Was wir uns noch wünschen. Dich als Pflegekraft, sagt Uli. Wir lachen. Uli lässt Josef in die Wanne gleiten. Er ist angespannt heute.

Ich trockne Josef ab. Küsse ihn. Seine Brust. Seinen Bauch. Seine Arme. Beine. Hände. Füße. Ich öle Josef ein. Bin glücklich. Heute. Ich ziehe Josef an. Dann gehen wir in den Gemeinschaftsraum. Gäste werden gebracht. Pfleger und Schwestern kommen. Eltern und Geschwisterkinder. Ich halte Josef in meinem Arm. Gebe ihm vorsichtig den Morgenbrei.

Uli und ich erzählen von der Wohnung. Die wir uns gleich anschauen werden. Gleich gegenüber vom Kinderhospiz. Wir lachen. Weil wir schon so oft davon erzählt haben, wie gut das wäre. Gleich hier zu wohnen. Kurze Wege zu haben. Das wäre doch ein Wunder, wenn das klappt.

Nach dem Frühstück gebe ich Josef dem Pfleger. Klara möchte im Kinderhospiz bleiben. Bei den Geschwisterkindern. Die letzten Stunden auskosten. Uli und ich gehen los. Stellen uns vor das Haus. Warten. Warten. Dann sehen wir einen Mann. Der Makler.

Er führt uns über einen kleinen Hof. In die Wohnung. Die Wohnung ist hell. Groß. Zwei Bäder. Josef hätte sein eigenes Zimmer. Klara auch. Es gibt einen großen Balkon. Vom Balkon schauen wir direkt auf eine Grundschule. Es gibt eine eingebaute Küche. Eine sehr alte Küche. Aber immerhin. Eine Küche.

Das ist sie, sage ich zu Uli. Das ist unsere Wohnung. Ja, sagt Uli. Ja. Allerdings liegt sie im ersten Stock. Ist nicht barrierefrei. Das geht schon, sage ich. Das geht schon. Besser als jetzt. Jetzt wohnen wir im Dachgeschoß.

Der Makler sagt, unsere Unterlagen müssen geprüft werden. Es gibt noch andere Mitbewerber. Wir sollen ihn anrufen. Am Montag. Wir verabschieden uns. Einatmen und Ausatmen.

Josef schläft in seinem Kinderwagen. Der Monitor hängt am Wagen. Zur Sicherheit. Herzfrequenz 125. Sauerstoffsättigung 96. Wir erzählen von der Wohnung. Wir gut das wäre. Es wäre die Lösung. Irgendwie. Wäre es die Lösung. Gutes neues Jahr, denke ich.

Uli packt die Sachen ins Auto. Es ist voll. Mit all den Dingen. Therapiestuhl. Kinderwagen. Absaugen. Monitor. Inhalette. Weihnachtsgeschenken. Medikamenten. Kathetern. Sachen. Lagerungskissen.

Am Nachmittag fahren wir los. Ich sitze bei Josef. Die Absauge vor meinen Füßen. Zweimal hält Uli an, weil ich Josef absaugen muss.

Dann sind wir da. Ich trage Josef in unsere Wohnung. Sie ist kalt. Uli trägt alle Sachen und Dinge hoch. Macht die Heizung an. Es wird relativ schnell warm.

Ich ziehe Josef langsam aus. Inhaliere ihn. Sauge ihn ab. Uli sortiert die Sachen. Klara packt ihre Sachen aus. Ihre Geschenke. Ich halte Josef. Ganz eingekuschelt. Uli fährt los. Einkaufen.

Josef schläft ein. Liegt auf meinen Knien und schläft. Ich sitze mit ihm auf dem Sofa. Schaue aus dem großen Fenster. Auf die Terrasse. Wie wäre das, mein Josef? Ein Umzug? Schaffen wir das? Uli ist wieder da. Sortiert. Immer am Sortieren, denke ich. Das Leben sortieren. Immerzu. Klara hört in ihrem Zimmer Hörspiel. Kommt auf ihre Weise wieder an.

Zum Abendessen gibt es Nudeln. Ich gebe Josef seinen Abendbrei. Uli inhaliert ihn. Saugt ihn ab. Wir schauen Kinderfernsehen. Uli bringt Klara ins Bett. In unser Bett. Es ist ja Wochenende. Liest ihr vor. Macht ihr das Hörspiel an. Josef schläft auf mir ein. Ich lege Josef in sein Bett. Herzfrequenz 122. Sauerstoffsättigung 94.

Um 21.30 Uhr klingelt es. Die Schwester. Wir gehen ins Bett.