401 | Sonntag, der 4. Januar 2015

Um 1.15 Uhr werde ich wach. Der Monitor piept. Dann höre ich das kurze Piepen hintereinander, wenn er ausgestellt wird. Josef atmet schwer. Ich kann es hören. Bis ins Schlafzimmer. Ich stehe auf. Gehe ins Wohnzimmer.

Die Schwester hält Josef im Arm. Ich nehme Josef. Küsse ihn. Seine Atmung zieht. Hast du mit Salbutamol inhaliert? Ja, sagt sie. Wann? Vor 30 Minuten. Okay, sage ich. Dann noch einmal. Mit Salbutamol und Atrovent. Nach Plan. Ja, sagt sie. Bereitet die Inhalette vor. Ich setze mich mit Josef. Halte ihn. Auf meine Josefweise. Kuschel ihn ein. Inhaliere ihn. Langsam beruhigt sich seine Atmung. Ich küsse ihn. Immer wieder.

Josef schläft ein. Ich lege ihn in sein Bett. Herzfrequenz 144. Sauerstoffsättigung 96. Temperatur 37,8. Es ist 3.00 Uhr. Ich gehe wieder ins Bett. Irgendwann. Schlafe ich.

Um 6.30 Uhr klingelt der Wecker. Ich muss mich orientieren. Fühle mich zerschlagen. Schäle mich aus dem Bett. Es ist dunkel draußen. Viel dunkler als in der großen Stadt. Ich gehe ins Bad. Höre die Inhalette. Alles nach Plan. Alles nach Plan. Ich gehe ins Wohnzimmer. Josef ist wach. Herzfrequenz 145. Sauerstoffsättigung 98. Er liegt im Arm der Schwester. Ich streichele seine schönen Locken.

Gehe in die Küche. Setze Wasser auf. Für Tee und Kaffee. Es ist dunkel draußen. Viel dunkler. Ich gehe ins Wohnzimmer. Die Schwester sagt, Josef schlief bis 5.00 Uhr. Keine Krämpfe. Gut, sage ich. Gut. Sie spült die Inhalette aus. Verabschiedet sich. Schlaf gut, sage ich. Danke.

Uli kommt. Holt Kaffee aus der Küche. Ich halte Josef. Klara schaut fern. Ich höre den Fernseher. Einatmen und Ausatmen. Was war los, fragt Uli? Ich weiß nicht, sage ich. Josef. Vielleicht bekommt er einen Infekt. Ich weiß es nicht. Hatte das Gefühl, aufstehen zu müssen. Zu wollen. Ich weiß es nicht, sage ich. Als hätte Josef nach mir gerufen.

Josef schläft ein. In meinem Arm. Nichts zu merken von der Nacht. Uli bereitet das Frühstück vor. Schiebt Aufbackbrötchen in den Ofen. Es duftet vertraut. Wir frühstücken im Schlafanzug. Auch Josef. Ich gebe ihm seinen Morgenbrei. Tee. Medikamente. Ich lege Josef in sein Bett. Herzfrequenz 140. Sauerstoffsättigung 92.

Ich spüre Anspannung. Fühle mich in Habachtstellung. Wie anders es zu Hause ist. Es sich anfühlt. Bedeutsamer. Alles ist viel bedeutsamer. Wir tragen die Verantwortung. Schwer ist sie. Die Verantwortung. Wachsam macht sie. Die Verantwortung. Konzentrierter. Das macht sie auch. Lässt uns uns konzentrieren. Auf Josef und uns. Lässt uns Entscheidungen treffen. Miteinander aushandeln.

Niemand anders macht das für uns. Zu Hause. Hier tragen wir sie. Allein. Im Hintergrund das SAPV-Team. Als Stütze. Damit sie uns nicht erdrückt. Die Verantwortung. Einatmen und Ausatmen.

Mit Klara zusammen bereiten wir die Schulsachen vor. Morgen geht es wieder los. Mit dem neuen Jahr. Josef wird inhaliert. Abgesaugt. Bekommt Medikamente. Tee. Wird gehalten. Geküsst.

Um 17.00 Uhr hat Josef 39,7. Uli gibt ihm ein Paracetamol. Seine Füße und Beine sind kalt. Wir entscheiden uns gegen Wadenwickel. Josef zittert. Schüttelfrost. Ich halte ihn. Klara hört ein Hörspiel. Malt in ihrem Zimmer.

Uli ruft das SAPV-Team an. Schildert. Fieber. Obstruktion in der Nacht. Sekret ist weißlich. Sie besprechen die Gabe von den Medikamenten. Wir sollen anrufen, wenn. Ja, sagt Uli. Ja. Josef fängt an zu schwitzen. Das Fieber sinkt. Ich ziehe ihn mehrfach um. Wasche ihn vorsichtig. Seine Locken sind ganz nass vom Schweiß.

Klara badet. Allein heute. Hört dabei Hörspiel.

Zum Abendessen gibt es Brot. Josef bekommt ganz wenig Brei. Viel Tee. Medikamente. Wird inhaliert. Abgesaugt. Schläft ein. Seine Atmung beruhig sich. Ich lege ihn in sein Bett. Herzfrequenz 130. Sauerstoffsättigung 77. Ich lege Josef auf die Seite. Dehne seine Lungenflügel. Dann wird es besser. Sauerstoffsättigung 94. Temperatur 37,3.

Wir schauen Kinderfernsehen. Uli bringt Klara in ihr Bett. Liest ihr vor. Macht das Hörspiel an. Unsere Kinder schlafen. Uli ruft das SAPV-Team an. Sagt, das Fieber sinkt. Seine Atmung ist gleichmäßig. Gut, sagt die Schwester. Morgen früh, spätestens, wollen sie telefonieren.

Um 21.30 Uhr klingelt es. Die Schwester. Herzfrequenz 128. Sauerstoffsättigung 94. Wir gehen ins Bett. Schlafen. Unruhig.