402 | Der Wecker klingelt um 6.00 Uhr.

Der Wecker klingelt um 6.00 Uhr. Ich stehe auf. Gehe ins Bad. Ich fühle mich getrieben. Aus dem Wohnzimmer höre ich das Rauschen. Alles nach Plan, denke ich. Alles nach Plan. Ich gehe ins Wohnzimmer.

Josef liegt im Arm der Schwester. Ich frage nach der Nacht. Sie lächelt. Sagt. Josef schlief durch. Keine Obstruktion. Keine Krampfanfälle. Gut, sage ich. Gut. Wer weiß, sage ich auch. Wer weiß, was das gestern war? Wer weiß das schon?

Ich gehe in die Küche. Setze Wasser auf. Für Tee und Kaffee. Decke den Frühstückstisch. Klara kommt. Sie ist müde. Kuschelt sich an mich. Sagt, ich will nicht in die Schule. Ich küsse sie. Sage, Emma freut sich bestimmt auf dich. Klara setzt sich auf ihren Stuhl. Isst ihre Cornflakes. Uli kommt.

Ich gehe ins Wohnzimmer. Nehme Josef in den Arm. Küsse ihn. Die Schwester spült die Inhalette aus. Verabschiedet sich. Schlaf gut, sage ich. Danke. Klara geht los. Los in die Schule. Uli winkt ihr nach. Bis er sie nicht mehr sieht.

Ich ziehe Josef vorsichtig um. Ganz vorsichtig. Er ist angespannt. Ich habe das Gefühl, jede Berührung ist ihm unangenehm. Ich nehme ihn wieder in den Arm. Setze ihn dann in den Therapiestuhl. Gebe ihm vorsichtig seinen Morgenbrei. Uli inhaliert Josef. Saugt ihn ab.

Josef schläft ein. In seinem Therapiestuhl. Dabei hat er das linke Auge leicht geöffnet. Er sieht verwegen aus. Unser verwegener Josef. Ich lege Josef vorsichtig in sein Bett. Dabei wird er wieder wach. Streckt sich. Ich nehme ihn wieder in den Arm. Küsse ihn. Lege Josef über meine Knie. Langsam entspannt er sich. Ganz langsam.

Um 12.00 Uhr klingelt es. Die liebe Logopädin. Wir wünschen uns ein gutes neues Jahr. Umarmen uns. Ich nehme Josef wieder in den Arm. Ganz langsam. Er braucht sehr lange, um wieder in der neuen Position anzukommen. Ich gebe Josef der lieben Logopädin. Sie begrüßt ihn. Berührt seine Füße. Hände. Arme und Beine. Josef dreht seinen Kopf nach rechts.

Er sieht müde aus, mein Josef. Unruhig und müde. Als würde etwas in ihm arbeiten. Etwas, was ihn gleichzeitig erschöpft. Josef reagiert gut. Macht gut mit. Ist empfindsam heute. Zeigt Reaktionen. Ich freue mich. Gleichzeitig bin ich in Sorge. Was bedeutet seine Empfindsamkeit? Die Logopädin verabschiedet sich. Ich nehme meinen Josef. Halte ihn im Arm. Er macht ganz deutlich, dass er nicht abgelegt werden möchte.

Um 13.00 Uhr klingelt es. Die liebe Physiotherapeutin. Bringt einen Marienkäfer mit. Als Glücksbringer für das neue Jahr. Ich umarme sie. Bin ganz berührt von ihrer Geste. Ich ziehe Josef vorsichtig aus. Lege ihn auf sein Bett. Sie beginnt mit den Füßen und Händen. Dreht Josef. Er macht gut mit, mein Josef. Er zeigt sich auf seine Josefweise.

Dann spürt sie nach dem Sekret. Fühlt. Sagt, die Lunge ist frei. Ich freue mich. Die Lunge ist frei. Das ist gut. Das ist immer gut. Sie verabschiedet sich. Sagt, schön, dass ihr wieder da sein. Ja, sage ich. Bin auch wehmütig. Wer weiß, wie lange noch. Josef schläft ein. Ich lege ihn in sein Bett. Er lässt es zu. Schläft weiter.

Um 14.00 Uhr klingelt es. Die Schwester. Sie setzt sich zu Josef. Uli und ich gehen los. Los in den Hort. Auf dem Weg dorthin ruft Uli beim Makler an. Fragt. Er sagt, der Eigentümer wird sich diese Woche melden. Es sieht gut aus, sagt er auch. Wir freuen uns. Heimlich.

Klara suchen wir im Hort. Sie möchte heute noch nicht mit. Dann kommt sie doch. Wir gehen vorn entlang. Sie hüpft und springt. Nur wenig heute.

Zu Hause. Gibt es Tee und Kaffee. Die restlichen Plätzchen. Josef schläft. Die Schwester sagt, Josef schwankt mit der Sauerstoffsättigung. Sie hat ihn abgesaugt. Dabei hat er im Schlaf den Kopf mehrfach nach vorn bewegt. Seine Atmung zieht etwas. Er benutzt die Atemhilfsmuskulatur. Herzfrequenz 128. Sauerstoffsättigung 90. Okay, sagt Uli.

Wir besprechen, dass er mit Salbutamol inhaliert wird. Dabei wird Josef wach. Ich nehme ihn aus seinem Bett. Küsse ihn. Was geht in dir vor, mein Josef? Was geht in dir vor, mein Bär? Ich halte Josef. Die Schwester verabschiedet sich.

Uli bereitet das Abendessen vor. Nudeln. Ich gebe Josef seinen Abendbrei. Wir schauen Kinderfernsehen. Die Atmung von Josef verändert sich. Wird schneller. Er zittert. Ich messe seine Temperatur. 38,9. Ich gebe ihm ein Zäpfchen.

Uli ruft das SAPV-Team an. Berichtet. Von Josef. Morgen früh werden sie kommen. Oder lieber heute noch? Ich messe die Temperatur von Josef. 37,7. Morgen reicht, beschließen wir.

Uli bringt Klara ins Bett. Liest ihr vor. Macht ihr das Hörspiel an. Josef schläft. Ich lege ihn in sein Bett. Herzfrequenz 132. Sauerstoffsättigung 90.

Um 21.30 Uhr klingelt es. Die Schwester. Wir gehen ins Bett. Schlafen.

Veröffentlicht am: 05. 01. 2019