403 | Dienstag, der 6. Januar 2015

Um 6.00 Uhr klingelt der Wecker. Ich stehe auf. Bin angespannt. Irgendetwas ist. Etwas geht vor. In Josef. In Uns. Ich gehe ins Bad. Wasche mich. Die Inhalette rauscht. Alles nach Plan, denke ich. Alles nach Plan. Einatmen und Ausatmen.

Ich gehe ins Wohnzimmer. Josef schläft. Die Schwester steht an seinem Bett. Herzfrequenz 125. Sauerstoffsättigung 96. Einatmen und Ausatmen. Ich gehe in die Küche. Setze Wasser auf. Für Tee und Kaffee. Decke den Frühstückstisch.

Klara kommt. Kuschelt sich kurz an mich. Setzt sich auf ihren Stuhl. Uli kommt. Setzt sich. Ich gehe ins Wohnzimmer. Frage nach der Nacht.

Josef war unruhig, sagt sie. Er hat mit Abwehr auf das Absaugen reagiert. Zwischen 2.00 Uhr und 3.00 Uhr war Josef auf ihrem Arm. Temperatur 36,9. Okay, sage ich. Krämpfe, frage ich. Nein sagt sie. Es waren keine Krämpfe sichtbar. Gut, sage ich. Gut. Die Schwester spült die Inhalette aus. Verabschiedet sich. Schlaf gut. Danke.

Klara geht los. Los in die Schule. Ich winke ihr. Bis ich sie nicht mehr sehe.

Josef wird wach. Seine Atmung wird schwer. Uli inhaliert Josef. Saugt ihn ab. Ich schalte den Monitor aus. Nehme Josef aus seinem Bett. Küsse ihn. Guten Morgen, mein Bär.

Um 9.00 Uhr klingelt es. Die liebe Physiotherapeutin. Ich ziehe Josef vorsichtig aus. Übergebe ihn ihren Händen. Josef macht heute gut mit. Er reagiert auf das Auslösen von Reflexen. Ist ganz aufmerksam. Mit seinen Sinnen nach Außen gerichtet. Ich küsse ihn immer wieder.

Dann fühlt sie nach der Lunge. Sagt, sie ist frei. Die Lunge ist frei. Gut, sage ich. Schön. Eine freie Lunge. Dann verabschieden wir uns. Ich freue mich. Josef. Zeigt so viel. Was ist nur mit dem Fieber am Abend? Was ist das nur?

Um 10.30 Uhr klingelt es. Der Arzt und die Schwester vom SAPV-Team. Josef wird abgehört. Untersucht. Urin abgenommen. Keine Infektanzeichen. Wir sprechen lange. Das Fieber könnte auch von Josefs Schädigungen im Gehirn kommen. Beobachten können wir. Das Fieber senken.

Ein Plan wird aufgeschrieben, welches Medikament in welcher Reihenfolge gegeben werden kann. Dann verabschieden wir uns. Nachdem wir uns sicher fühlen. Etwas sicherer.

Um 12.00 Uhr klingelt es. Die Schwester. Josef schläft in meinem Arm ein. Was hat das nur zu bedeuten, mein Josef? ich lege ihn in sein Bett. Herzfrequenz 125. Sauerstoffsättigung 93.

Um 12.30 Uhr klingelt das Telefon. Der Sauerstoffmann. Ob wir da sind. Ja. Um 13.00 Uhr klingelt es. Der Sauerstoffmann. Hieft die Tonne die Treppe hinunter. Fast leer ist sie. Fast leer. Im Hof zischt es. Dann kommt schnieft sie wieder die Treppe rauf. Trollt sich in die Zimmerecke.

Josef schläft. Schlaf, mein Josef. Schlaf. Ich packe den Weihnachtsschmuck in Kisten. Verstaue sie auf dem Dachboden. Trage vertrocknete Tannenzweige und Kränze die Treppe hinunter. Schmeiße sie weg.

Josef ist wieder wach. Liegt im Arm der Schwester. Sie ist sehr angespannt. Josef auch. Sie inhaliert Josef. Dabei erbricht er. Sie saugt ihn ab. Ich drehe Josef auf seinen Bauch. Damit alles aus ihm rauslaufen kann. Er nichts anatmet.

Ich küsse ihn. Was ist los, mein Josef? Was passiert in dir? Uli geht heute allein los. In den Hort. Holt Klara ab. Ich halte Josef.

Sie sind wieder da. Uli macht Kaffee und Kakao. Plätzchen dazu. Die aller Letzen. Josef schläft ein. Ich lege ihn in sein Bett. Gegen 18.00 Uhr verabschiedet sich die Schwester.

Wir essen zusammen Abendbrot. Brot. Josef wird wach. Seine Atmung ist schwer. Uli inhaliert Josef mit Salbutamol. Es wird besser. Josef atmet schnell. Zittert. Ich messe seine Temperatur. 39,3. Ich gebe ihm ein Zäpfchen. Wenig Nahrung. Etwas Tee. Josef erbricht. Bekommt noch ein Zäpfchen. Gegen die Übelkeit. Uli nimmt Josef.

Ich schaue mit Klara ein wenig Kinderfernsehen. Eine Viertelstunde. Damit sie sich nicht allein fühlt. Ich bringe Klara ins Bett. Lese ihr vor. Mache ihr das Hörspiel an.

Josef atmet schnell. Zittert. Temperatur 39.9. Uli gibt ihm Tropfen. Herzfrequenz 176. Sauerstoffsättigung 95. Josef, mein Josef. Ich mache ihm Wadenwickel. Er fängt an zu schwitzen.

Um 21.30 Uhr klingelt es. Die Schwester. Josef hat eine Temperatur von 37,7. Einatmen und Ausatmen. Wir besprechen mit der Schwester den Plan. Welches Medikament sie geben kann. Die Schwester ist selten bei uns. Springer. Reingesprungen, denke ich. Zu uns.

Josef schläft ein. Ich lege ihn in sein Bett. Herzfrequenz 163. Sauerstoffsättigung 93. Wir gehen ins Bett. Mir laufen Tränen. Gut, dass der Arzt da war. Gut, dass sie bei Josef waren. Gut, sage ich. Irgendwann schlafen wir.