Um 6.30 Uhr klingelt der Wecker.

Ich muss mich orientieren. Bin etwas benommen. Klara schläft noch. Sie liegt neben mir. Ich stehe auf. Gehe ins Bad. Wasche mich. Ich gehe durch das Wohnzimmer in die Küche.

Der Fußboden knackt ein wenig. Sonst nehme ich es gar nicht wahr. Ich setze Wasser auf. Für Tee und Kaffee. Decke den Frühstückstisch. Bereite Brote für Klara vor.

Klara kommt in die Küche. Ich höre sie schon vorher. Sie ist müde. Kuschelt sich an mich. Sagt, es ist komisch ohne Josef und Papa. Ja, sage ich. Ja. Wir sitzen zusammen.

Ich frage, ob ich sie in die Schule bringen soll. Nein, sagt sie. Das schaffe ich schon allein. Dann geht sie los. Ich winke ihr nach. Bis ich sie nicht mehr sehe. Es fühlt sich fremd an. Ohne Josef und Uli in der Wohnung. Ohne. Ohne.

Ich setze mich auf das Sofa am Bett von Josef. Schaue aus dem Fenster. Es wird hell. Langsam. An den Bäumen sind nur noch wenige Blätter. Mir laufen Tränen. Sie laufen. Leise und dann laut.

Mein Telefon klingelt. Die Pflegedienstleitung. Sie hat gut Nachrichten. Eine neue Pflegekraft möchte sich bei uns vorstellen. Sie wird ins Kinderhospiz kommen. Am Donnerstag.

Gut wäre es, wenn sie dort eingearbeitet wird. Ja. Gut wäre es, wenn vielleicht auch unsere Schwestern aus dem Team noch einmal ins Kinderhospiz kommen könnten. Ich frage, was sie darüber denkt. Als Pflegedienstleitung. Ja, sagt sie. Wie eine Weiterbildung. Sie wird es besprechen.

Ja, sage ich. Wir auch mit dem Kinderhospiz. Einatmen und Ausatmen.

Ich rufe Uli an. Guten Morgen, mein Uli. Alles gut, sagt Uli. In der Nacht hatte Josef viel Sekret. Er wurde gelagert und inhaliert. Sie sind ja hier zum Glück unerschrocken. Erschrecken sich nicht vor Josef. Haben keine Angst. Ja, sage ich.

Wir sprechen über meine Idee. Dass die Pflegekräfte von unserem Team ins Kinderhospiz kommen. Gleichzeitig fürchte ich, sie könnten sich vorgeführt fühlen. Das Gefühl haben, wir sprechen ihnen ihre Kompetenz ab. Einatmen und Ausatmen.

Uli sagt, es geht um Josef. Um Josef. Sie dürfen keine Angst haben vor Josef. Ja, sage ich. Ja. Uli wird die Hospitation von unserem Pflegeteam mit dem Kinderhospiz absprechen. Wir umarmen uns durchs Telefon.

Ich mache mir einen Kaffee. Setze mich an den Küchentisch. Versuche zu lernen. Platz zu schaffen. In mir. Für meine Therapieausbildung. Es gelingt mir. Gelingt mir nicht. Einatmen und Ausatmen.

Das Telefon klingelt. Uli. Das Kinderhospiz ist einverstanden. Gern kann unser Team kommen. Gut, sage ich. Ich rufe die Pflegedienstleitung an. Sage, die Kolleginnen dürfen kommen. Gut sagt, sie.

In mir bleibt ein komisches Gefühl. Ich fürchte. Und hoffe doch, die Schwestern können die Angst verlieren im Umgang mit Josef. Sicherer werden. Hoffe, sie können es annehmen. Das Lernen von den Schwestern und Pflegern im Kinderhospiz. Hoffe. Hoffe.

Ich gehe los. Los zum Hort. Klara abholen. Es ist grau draußen. Klara muss ich suchen. Bin froh darum. Das sie sich wieder verliert in ihrer Schul- und Hort-Welt. Wir gehen heute hinten entlang. An der Koppel. Wir sagen den Pferden Hallo. Dann den Ziegen und Schafen. Es fühlt sich fast an wie früher. Früher.

Zu Hause. Klara bekommt einen Kakao und ich Kaffee. Ich schaue mir die Hausaufgaben an. Dann spielen wir. Lotti Karotti. Klara gewinnt. Meine Gedanken schweifen ab. Immer wieder sind sie mal hier und dort. Drehen sich um Josef. Die Wohnung. Den Pflegedienst. Meine Arbeit. Mir ist schon ganz schwindelig.

Zum Abendessen holen wir uns eine Pizza. Unten im Haus wird sie frisch gebacken. Klara bekommt noch einen Lutscher dazu. Die Pizza essen wir auf dem Sofa. Schauen dabei fern.

Danach geht Klara in die Wanne. Sie setzt ihre Taucherbrille auf. Ich wasche ihre Haare. Dann spielt sie eine Weile. Ich bin froh um ihr Spiel. Nach dem Baden schauen wir Kinderfernsehen.

Das Telefon klingelt. Uli. Er spricht erst mit Klara. Nicht sehr lang. Klara möchte ja weiter fernsehen. Dann sprechen wir. Es geht gut, sagt er. Am Nachmittag war eine Frau da. Mit Klangschalen. Josef fand es ganz gut, sagt Uli. Er war entspannt. Schön, sage ich. Das ist schön. Wir sagen, dass wir uns fehlen. Es sich nicht gut anfühlt. Getrennt zu sein. Das jetzt aber so ist. So ist das aber jetzt. Wir umarmen uns durchs Telefon.

Ich bringe Klara in unser Bett. Lese ihr vor. Bleibe liegen. Warum soll ich auch noch einmal aufstehen? Ich mache das Hörspiel an. Die kleine Hexe. Irgendwann schlafen wir ein. Irgendwann.