Vor dem Weckerklingeln bin ich wach.

Ich schalte den Wecker aus. Klara schläft. Sie liegt auf der Seite. Ganz eingerollt. Ich streiche ihr ganz sanft über ihre Haare.

Ich stehe auf. Gehe ins Bad. Wasche mich. Auf Zehenspitzen gehe ich durch das Wohnzimmer in die Küche. Ich möchte Klara nicht wecken. Ich setze Wasser auf. Für Tee und Kaffee. Decke den Frühstückstisch. Mache ihr Brote. Für die Schule.

Dann wecke ich Klara. Sie umarmt mich. Steht auf. Kommt mit. In die Küche. Klara isst ihre Cornflakes. Ich trinke Kaffee. Klara zieht sich an.

Dann geht sie los. Los in die Schule. Ich winke ihr nach. Bis ich sie nicht mehr sehe. Ich bleibe eine Weile auf der Terrasse stehen.

Beobachte die Kinder und Eltern. Wie sie auf ihren Fahrrädern oder zu Fuß an unserem Haus vorbeifliegen. Ganz schnell sind sie. Als würden sei etwas verpassen. Als würden sie ihr Leben verpassen, wenn sie nicht ganz schnell sind.

Wenn sie wüssten, denke ich. Wenn sie wüssten? Was wäre dann? Wenn sie was wüssten? Über das Leben. Was wäre dann? Was müssten sie wissen? Und was weiß ich denn schon? Über das Leben. Das weiß doch nur der Josef. Das über das Leben.

Mir laufen Tränen. Weil ich manchmal auch so gern schnell an meinem Haus vorbeifliegen möchte. In einem anderen Leben sein möchte. Einatmen und Ausatmen.

Und dann doch nicht. Dann möchte ich doch nicht vorbeifliegen. Möchte in meinem Haus sein. Mit Josef. Mit Klara. Mit Uli. Mit Allem. Ich gehe wieder in die Wohnung.

Wasche Wäsche. Räume. Mache mir einen Kaffee. Versuche zu lernen. Rufe Uli an. Alles gut soweit. In der Nacht hat Josef gut geschlafen. Und du, frage ich. Auch gut, sagt Uli. Dann bis nachher. Ja, sage ich. Ja.

Um 12.00 Uhr geht das Schloss. Uli. Wir umarmen uns. Wir trinken einen Kaffee. Uli packt Sachen zusammen. Wir fahren zur Schule. Klara wartet schon am Tor.

Dann fahren wir in die benachbarte Stadt. Die Wohnung wollen wir uns anschauen. Wir sind zu früh da. Es ist etwas grau. Herbst. Wir laufen die Straße ab. Kaufen bei einem Bäcker Kuchen. Für Nachher. Dann sehen wir den Makler vor der Wohnung. Er ist sehr freundlich. Unheimlich freundlich.

Wir fahren mit dem Fahrstuhl in den obersten Stock. Die Aussicht ist überwältigend. Wir kommen in die Wohnung. Gegenüber von der Wohnungstür befindet sich das erste Zimmer. Rechts daneben ist eine kleine Kammer und eine Toilette. Links ist ein langer Flur. Auf der rechten Seite befinden sich zwei weitere Zimmer.

Links ist das Bad. Am Ende des Flures ist links die Küche und rechts das Wohnzimmer. Von der Küche geht ein Balkon ab. In der Wohnung muss der Fußboden neu gemacht werden.

Vom Wohnungsschnitt wäre die Wohnung gut. Auch die Lage. Der Blick. An den Hof ist ein kleiner Garten. Ideal. Für Josef und uns, denke ich. Ideal. Der Makler sagt, wir müssen uns entscheiden. Es gibt andere Interessenten. Ab November müssen wir die Wohnung dann auch schon nehmen.

Und der Fußboden, sagt Uli. Die Wände müssen auch gestrichen werden. Dafür müssen wir im November nur die Kaltmiete zahlen.

In meinem Kopf kreisen die Gedanken. Umschulen? Klara muss umgeschult werden. Pflegedienst? Kommt er auch in die Stadt? Therapeuten? Einatmen und Ausatmen. Wir melden uns, sagt Uli. Im Auto. Klara findet die Wohnung toll. Ideal wäre sie. Uli ruft den Makler an. Wir nehmen die Wohnung. Gut, sagt er. Er wird mit dem Eigentümer sprechen. Uns dann Bescheid geben. Gut, sagt Uli. Einatmen und Ausatmen.

Wir fahren wieder zurück. Nach Hause. Klara ist begeistert von der Wohnung. Von der Aufteilung ist sie gut. Josef hätte sein Zimmer. Die Pflegekräfte müssten nicht durch unsere Wohnung. Wir hätten etwas Privatsphäre. Wir würden in einer größeren Stadt leben.

Was ist mit unserer lieben Physiotherapeutin? Logopädin? Kinderärztin? Haushaltshilfe? Familienbegleitung? Pflegedienst? Erst einmal müssen wir die Wohnung bekommen. Dann weiter, sagt Uli. Dann weiter. Ja, sage ich. Ja. Wir essen den Kuchen. Trinken Kaffee und Kakao.

Uli verabschiedet sich. Fährt wieder los. Los zu Josef. Wie sie mir fehlen. Uli und Josef. Klara spielt in ihrem Zimmer. Sie möchte für sich sein. Ich schaue aus dem Fenster. Sitze nur da und schaue aus dem Fenster. Zum Abendessen gibt es Brot. Zusammen schauen wir Kinderfernsehen.

Rufen Uli an. Er ist gut angekommen, sagt er. Josef hatte einen langen Krampfanfall. Jetzt schläft er. Wie gern wäre ich jetzt dort. Zusammen mit Klara. Ich lese Klara vor. Mache ihr das Hörspiel an. Bleibe liegen. Schlafe ein. Irgendwann.