Ich bin wach. Vor dem Weckerklingeln.

Ich schalte den Wecker aus. Klara dreht sich zu mir. Sie ist wach. Wir kuscheln. Ich stehe auf. Gehe ins Bad. Wasche mich.

Klara kommt mit. In die Küche. Sie schiebt sich auf den Stuhl. Ich setze Wasser auf. Für Tee und Kaffee. Decke den Frühstückstisch. Mache Klara Brote. Für die Schule. Klara isst ihre Cornflakes. Ich trinke Kaffee.

Heute wird Klara bei Freunden übernachten. Morgen holen wir sie gleich nach der Schule ab. Fahren dann mit ihr ins Kinderhospiz.

Klara zieht sich an. Wir umarmen uns. Ich frage, ob ich sie bringen soll. Nein, sagt sie. Ich bin doch schon groß. Ach so, sage ich. Wir lachen. Beide. Ich winke Klara nach. Bis ich sie nicht mehr sehe.

Dann laufe ich los. Los zum Bahnhof. Es ist voll auf dem Bahnsteig. In der Bahn. Alle wollen schnell irgendwo hin. Heute bin ich eine von ihnen.

Im Kinderhospiz. Uli sitzt mit Josef im Gemeinschaftsraum beim Frühstück. Wir umarmen uns. Ich nehme Josef. Halte ihn. Küsse ihn. So lange habe ich Josef nicht mehr gespürt. Nebenbei esse ich ein Brötchen. Trinke einen Kaffee. Dann erst nehme ich die anderen Gäste wahr.

Ein neuer Gast ist gekommen. Ein kleiner Gast. Ohne Eltern. Er sucht Eltern. Der kleine Gast. Die Schwestern sind ganz verzaubert von dem kleinen Gast. Er liegt im Arm einer Schwester. Wie gut das er hier ist. Der kleine Gast.

Um 10.00 Uhr gehen wir ins Foyer. Die neue Schwester möchte sich uns vorstellen. Sie ist aufgeregt. Wir auch. Wir bieten ihr Kaffee an oder Tee. Tee, sagt sie.

Dann setzen wir uns mit ihr in Josefs Zimmer. Erzählen von Josef. Lassen uns von ihr erzählen. Sie hat in der Klinik gearbeitet, sagt sie. Kinderkrankenschwester ist sie. Sie wirkt offen für Josef. Fragt viel nach.

Wir erzählen ihr von den Krisen mit der Atmung. Den Krämpfen. Davon, was er braucht. Unser Josef. Es sich ändern kann. Jeden Tag anders sein kann. Mit Josef. Wir wachsam sein müssen. Immerzu. Dann verabschieden wir uns.

Ich rufe bei der Pflegedienstleitung an. Sage, ja. Wir können es uns vorstellen. Die Pflegedienstleitung sagt, die Schwester auch. Schön, sage ich. Gut, sage ich auch. Die Pflegedienstleitung wird mit der Pflegedienstleitung vom Kinderhospiz die Einarbeitung absprechen. Gut.

Gut. Ich bin froh, mich nicht darum kümmern zu müssen. Einatmen und Ausatmen. Eine neue Schwester haben wir, sage ich zu Uli. Spüre, wie verhalten ich bin. Nicht mehr so offen. Skeptisch. Abwartend.

Spüre, dass ich es den anderen Menschen nicht mehr so leicht mache. Nicht mehr so leicht. Mehr Leichtigkeit, bitte. Die wünsche ich mir. Uli inhaliert Josef. Saugt ihn ab. Ich halte ihn. Möchte so viel nachholen. Das Kuscheln der letzten Tage.

Um 14.00 Uhr kommt der Rehatechniker. Er möchte den Therapiestuhl noch einmal anpassen und sich den Aufsatz vom Kinderwagen anschauen. Ich setze meinen verschlafenen Josef in den Therapiestuhl. Dann schraubt und schiebt der Techniker. Das Polster für den Kinderwagen ist in Ordnung, sagt er. Gut.

Dann sprechen wir über das Pflegebett. Das dauert noch, sagt er. Warum, kann er uns nicht sagen. Er wird nachfragen. Gut, sagt Uli. Bis wann? Nächste Woche wird er sich bei uns melden. Wann nächste Woche? Dienstag, sagt er. Gut, sagt Uli. Er verabschiedet sich.

Wir machen es den anderen Menschen nicht mehr so leicht mit uns, Uli. Ja, sagt Uli. Das stimmt. Wir sind misstrauischer. Vorsichtiger. Fordernder. Vielleicht auch fordernder. Weil unser Leben so fordernd ist. Mit Josef. Unserem Josef. Es soviel von uns fordert.

Ich halte Josef. Küsse ihn. Spüre seine warme Haut. Seinen Körper. Spüre seine Anstrengung. Seine Atmung wird schneller. Sein Körper angespannt. Ich messe seine Temperatur. 38,4. Herzfrequenz 167. Sauerstoffsättigung 93.

Ich gebe Josef Ibuprofen. Inhaliere ihn. Sauge ihn ab. Lege ihn über meine Knie. Mit meinen Händen streiche ich über seinen Rücken. Dann schläft er ein. Mein Josef. Ich lege ihn in seinen Kinderwagen.

Zusammen gehen wir in den Gemeinschaftsraum. Zum Abendessen. Die Gäste kommen. Schwestern. Pfleger. Eltern. Ich gebe Josef wenig Brei. Dann Tee. Meine Aufmerksamkeit ist ganz bei Josef.

Nach dem Abendessen ziehe ich Josef um. Uli inhaliert ihn. Saugt ihn ab. Ich lege Josef in sein Bett. Temperatur 37,2. Herzfrequenz 132. Sauerstoffsättigung 96. Wir bleiben eine ganze Weile bei ihm. Ich streichele seinen Kopf. Halte seine kleine Hand. Lege ihm ein Hemd von mir in sein Bett. Dann sagen wir der Schwester Bescheid.

Gehen ins Elternzimmer. Ich rufe bei unseren Freunden an. Frage nach Klara. Alles gut, sagen sie. Ich spreche mit Klara. Alles gut, sagt Klara. Am Nachmittag haben sie Waffeln gebacken. Auf Morgen freut sie sich schon. Wir umarmen uns durch das Telefon. Dann schlafen auch wir.